Continental : Der Frieden von Hannover

Conti und Schaeffler wollen nach einem Kompromiss um die Führung wieder an der Fusion arbeiten.

Alfons Frese
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Erster Aufritt. Der neue Conti-Vorstandsvorsitzende Elmar Degenhart stellt am Mittwoch in Hannover den Vorstand vor. Foto: dpadpa

Berlin - Altkanzler Gerhard Schröder hatte wohl die Hände im Spiel, als der Knoten an der Conti-Spitze gelöst wurde. Jedenfalls bedankte sich Werner Bischoff, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Continental AG, am Mittwochnachmittag ausdrücklich bei Schröder für die Unterstützung. Schröder war vor einem Jahr engagiert worden, um gewissermaßen als Garant einer Investorenvereinbarung darüber zu wachen, dass sich die Conti-Führung und die Spitze des Conti-Großaktionärs Schaeffler nicht zulasten beider Unternehmen zerstritten. Genauso war es aber in den vergangenen Monaten gekommen. Conti-Chef Karl-Thomas Neumann, erst seit einem Jahr im Amt, hatte nach Ansicht der Schaefflers gegen Absprachen verstoßen und sollte weg.

Auf einer Aufsichtsratssitzung Ende Juli waren die Schaefflers und die restlichen Vertreter der Kapitalseite im Aufsichtsrat noch an den Arbeitnehmervertretern gescheitert. Jetzt stimmten auch diese zu. Neumann ist weg und wird durch den Schaeffler-Manager Elmar Degenhart ersetzt. Neumanns Vertrag, der noch über vier Jahre läuft, wird vermutlich ausgezahlt, was in Summe knapp acht Millionen Euro ausmacht.

Das Vorstandsmitglied der IG BCE, Werner Bischoff, hatte sich gemeinsam mit seinem Aufsichtsratskollegen von der IG Metall, Hartmut Meine, am vergangenen Sonntag mit den Schaefflers getroffen, um einen Kompromiss zu vereinbaren. Wichtigster Punkt dabei neben dem Abgang Neumanns: Auch Conti-Aufsichtsratschef Rolf Koerfer, ein Vertrauter der Schaefflers, gibt seinen Posten auf. Die Nachfolge ist offen, zuletzt wurden unter anderem die früheren BMW- Manager Bernd Pischetsrieder, Wolfgang Reitzle und Helmut Panke genannt. Bis zum 29. September soll der neue Mann gefunden sein, dann legt Koerfer den Vorsitz nieder.

Der habe es nie verstanden, zwischen den Interessen des Großaktionärs und der Continental AG, der er als Chefaufseher verpflichtet ist, zu unterscheiden, sagen selbst einige Kollegen auf der Kapitalbank, darunter der frühere BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel und Ex-Daimler-Manager Klaus Mangold. Auch wenn die andere Seite mit ihrem permanenten Störfeuer genauso schuld war – die Krise haben Koerfer und die Schaefflers jedenfalls nicht gut gemanagt. Die Lage spitzte sich zu, als Ex-Kanzler Schröder mit einstweiliger Verfügung gegen Neumanns Abberufung drohte. Schröder setzte eine Frist bis vergangenen Montag; am Sonntag stand der Kompromiss.

Zwar wird nun ein Schaeffler-Mann Chef. Um das Gleichgewicht zu wahren, rücken aber weitere Conti-Männer in den Vorstand auf. Im Streitfall haben sie die Mehrheit – nur bei Patt im Vorstand entscheidet der Vorsitzende. „Den Durchgriff hat Schaeffler noch immer nicht“, sagt einer der Beteiligten. Koerfer selbst äußerte sich nach der Aufsichtsratssitzung gegenüber dem „Handelsblatt“: Er werde sein Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden „nach Abschluss der Neuordnung des Vorstands“ abgeben. Dabei gehe es vor allem darum, einen Finanzvorstand zu finden, der „nicht so sehr als Vertreter der Schaeffler-Gruppe empfunden“ werde. Alles in allem bekräftigte Koerfer das Ziel aller Beteiligten, „einen stabilen, weltweit führenden deutschen Automobilzulieferer zu schaffen“.

So äußerten sich auch die Gewerkschaftsvertreter im Aufsichtsrat. Neben Schröder dankte Bischoff auch Martin Blessing, dem Vorstandschef der Commerzbank, für Hilfe bei der Konfliktlösung. Die Bank ist einer der größten Gläubiger von Conti/Schaeffler. Die Firmen sind jeweils mit rund elf Milliarden Euro verschuldet – Conti wegen der Übernahme des Autozuliefererbereichs von Siemens, der VDO, und Schaeffler wegen der Übernahme von Conti.

Der niedersächsische IG-Metall-Chef Meine lobte die eigene Rolle im Aufsichtsrat und damit das Instrument der Mitbestimmung. Die Arbeitnehmerseite habe sich bemüht, die Kontrahenten zu einem gemeinsamen Handeln zu bewegen. „Ohne Gewerkschafter und Betriebsräte wäre die emotionsgeladene Situation schon viel früher völlig eskaliert“, erklärte Meine. Mit dem jüngsten Friedensschluss können sich die Partner nun den unternehmerischen Dingen zuwenden: Die Conti-Problemsparte Powertrain auf Kurs bringen und die Kapitalerhöhung bei Conti vorbereiten. mit HB

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