Wirtschaft : Crossair-Chef Moritz Suter: "Ich würde Tempelhof morgen kaufen"

Verspielt Berlin mit dem Theater um den neuen Gro&

Fünfmal täglich fliegt Crossair nach Berlin-Tempelhof: zweimal von Genf und dreimal von Basel aus. Außerdem bedienen die Basler im Auftrag von Swissair die Route Zürich-Tegel. Was hält der Crossair-Chef von den Berliner Flughafenplänen? Was kann man von den Schweizern lernen? Martina Ohm fragte Moritz Suter.

 Verspielt Berlin mit dem Theater um den neuen Großflughafen Chancen?

Wenn sich Berlin und sein Umfeld gut entwickeln sollen, müssen auch die Luftverkehrsverbindungen stimmen. Strategisch ist es von erstrangiger Bedeutung, dass Berlin einen Großflughafen erhält.

Einen oder mehrere?

Schauen Sie sich vergleichbare Städte an: London, Paris, Madrid oder Rom. Das sind allesamt wichtige wirtschaftliche und kulturelle Zentren.

...mit mehreren Flughäfen.

Die heutige Konstruktion mit Tegel ist ungenügend. Aber das heißt nicht, dass man diesen Flughafen oder auch Tempelhof schließen müsste.

Wenn ein neuer Großflughafen gebaut werden soll, wäre alles andere für den Investor von Nachteil.

Das ist Blödsinn. Die Wirtschaft würde sich nur noch auf Schönefeld konzentrieren. Verkehr zieht immer an. Vergleichen Sie die großen Metropolen: Je mehr Flughäfen, die miteinander konkurrieren, desto mehr Entwicklungsmöglichkeiten bieten sich. Ich würde Tempelhof morgen kaufen. Tempelhof ist die Boutique, Tegel ist ein Supermarkt, und ein Großflughafen in Schönefeld wäre das Kaufhaus des Westens.

Wie wichtig ist Tempfelhof?

Die Passagiere lieben Tempelhof! Die Berliner wären dumm, so einen Flughafen herzugeben. Hätte man in Berlin nicht so einen tollen Flughafen, müsste man ihn bauen. Das ging natürlich heute nicht mehr.

Finden Sie einen Flughafen mitten in der Stadt nicht riskant?

Das mögen die Politiker finden, ich nicht. Noch einmal: Wenn Tempelhof offen bleibt und verkauft wird, steige ich morgen ein.

Kann sich Berlin überhaupt zu einem großen Drehkreuz entwickeln?

Berlin hat großen Nachholbedarf und durchaus das Zeug zu einem großen Umsteigeflughafen. Das Entscheidende ist, dass sich eine Fluggesellschaft zu diesem Standort bekennt. Berlin braucht einen starken Home-carrier.

Ohne Unterstützung durch Lufthansa wird nichts daraus?

Genau. Lufthansa dürfte sich Berlin als große Chance eigentlich nicht entgehen lassen.

Die regen sich derzeit aber mächtig über die geplanten Nutzungsgebühren auf.

Zusätzliche Gebühren, die die Fluggäste zu bezahlen haben, verärgern die Kundschaft natürlich. Abgesehen davon finde ich es ungewöhnlich, dass der Kunde zweimal bezahlen soll. Die Passagiere sollen für einen neuen Flughafen bezahlen, und wenn der neue Flughafen gebaut ist, sollen sie weiter bezahlen? Das ist nicht in Ordnung.

Zu Lufthansa. Sie finden, die Gesellschaft müsste mehr für Berlin tun. Vielleicht eine Direktflugverbindung nach New York einrichten?

Ich verstehe nicht, wieso es nicht möglich sein soll, einmal am Tag von Berlin direkt nach New York zu fliegen.

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