Crowdfunding für ein nachchaltig produziertes Bett : Schlafen mit gutem Gewissen

Das Berliner „Kiezbett“ will mit Holz aus dem Grunewald und der Montage in einer Inklusionswerkstatt ökologische und soziale Standards setzen.

Lara Keilbart
Berliner Nachhaltigkeit mit Stil: Das Kiezbett wurde in der Kategorie Excellent Product Design für den German Design Award 2017 nominiert.
Berliner Nachhaltigkeit mit Stil: Das Kiezbett wurde in der Kategorie Excellent Product Design für den German Design Award 2017...Foto: Promo

Ein gewisses Maß an Schlaf braucht jeder Mensch - egal ob Nachteule oder Frühaufsteher. Warum wir schlafen, hat die Wissenschaft noch nicht abschließend geklärt. Klar ist aber, dass guter Schlaf wichtig für die Gesundheit ist. Wer regelmäßig die Nächte durchmacht, leidet bald an Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen. Für erholsamen Schlaf ist ein gutes Bett unverzichtbar. Berlin bekommt jetzt ein ganz besonderes Bett, das Kiezbett.

Entstanden ist die Idee bei einem Mittagessen im Coworking Space „Impact Hub“ in Kreuzberg. Forstwissenschaftler und Firmengründer Steve Döschner erzählte dort, dass er sich sein Bett aus Holz selbst gebaut habe. Genau das hatte die Architektin Kim Le Roux auch gemacht. Beiden war aufgefallen, dass der Werkstoff vom Baumarkt aus Polen oder Island stammte. „Dabei haben wir doch genügend Holz direkt vor der Haustür“.

Aus diesem Gedanken ergab sich die Idee ein Bett zu entwickeln, das sozial, ökologisch und regional ist und zu einem fairen Preis angeboten werden kannt. Le Roux und Döschner machten sich an die Arbeit und entwarfen mehrere Prototypen. Das Holz dafür stammt aus dem Grunewald und dem Tegler Forst und wird von der städtischen Forstverwaltung selbstverständlich nur außerhalb der Vogelbrutzeit geschlagen. Anschließend wird das Holz nördlich von Berlin im Sägewerk Bohm zugeschnitten.

In einer Inklusionswerkstatt in Spandau werden die Einzelteile verarbeitet und schließlich per Lastenrad zum Kunden gebracht. Diese regionale Wertschöpfungskette war Döschner besonders wichtig. Deswegen soll das Kiezbett künftig auch nur im Umkreis von 100 Kilometern verkauft werden.

Die beiden Gründer von Kiezbett: Steve Döschner, Forstwissenschaftler und Projektleiter bei Grünstifter und Kim Le Roux, Architektin bei LXSY.
Die beiden Gründer von Kiezbett: Steve Döschner, Forstwissenschaftler und Projektleiter bei Grünstifter und Kim Le Roux,...Foto: Promo

Die Firma namens Kiezbett verspricht ein Produkt, das innerhalb von zehn Minuten aufgebaut werden kann. Die Verpackungen können zum Recycling zurückgeschickt werden. Auf den ersten Blick klingt das alles schlüssig. Aber ob sich der Plan in die Tat umsetzen lässt, muss sich zeigen. Und so ganz neu und revolutionär ist der Nachhaltigkeitsansatz auch bei Betten nicht. Das Gießener Unternehmen Dormiente bietet etwa Betten aus zertifiziert nachhaltig gefälltem Massivholz an und liefert die Naturlatexmatratze gleich dazu.

Um die Produktion der ersten 100 Kiezbetten zu finanzieren, läuft derzeit auf der Plattform Startnext eine Crowdfunding-Kampagne. Ein Bett kostet dort in der kleinsten Ausführung (1,60 Meter mal 2,0 Meter) 390 Euro. Deutlich weniger als die Vollholz-Betten von etablierten Händlern, die bei rund 600 Euro liegen. Döschner erklärt den Preisunterschied mit einer deutlich niedrigeren Gewinnmarge für das Kiezbett. Überhaupt will Döschner den Großteil des Gewinns an soziale Projekte in Berlin spenden, zum Beispiel an Wärmestuben für Obdachlose.

Derzeit steht das Projekt bei 15 500 Euro von 76 Unterstützern. Es läuft noch bis zum 23. Mai. Mehr als die Hälfte der Zielsumme von 25 000 Euro ist also bislang erreicht. Der Betrag deckt laut Döschner die Produktionskosten. Aufmerksamkeit und weitere Unterstützer verspricht sich der Firmengründer von einer geplanten Aktion auf dem Tempelhofer Feld, bei der man auf einem Prototypen Probeliegen kann. Zuvor hatte er bereits per Videobotschaft auf Youtube das schwedische Möbelhaus Ikea um Geld und sonstige Unterstützung gebeten. Sollte das Crowdfunding scheitern, will Döschner das Bett dennoch produzieren. „Wir werden es trotzdem machen“, sagt er. „Es wird dann aber ein schwieriger Start“, sagt Döschner.

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