Wirtschaft : Daewoo: Südkoreanische Polizei stürmt besetztes Hauptwerk

Bupyong / Seoul (AP/rtr). Die Polizei hat am Montag das Hauptwerk des südkoreanischen Automobilkonzerns Daewoo gestürmt und den vor vier Tagen begonnenen Protest entlassener Arbeiter beendet. Bei Zusammenstößen waren zuvor rund ein Dutzend Menschen verletzt worden. Die Beamten brachen mit Baggern und Gabelstaplern durch das Haupttor des Werks in Bupyong, rund 30 Kilometer westlich der Hauptstadt Seoul. Etwa 60 Personen wurden festgenommen. Die Arbeiter versuchten, die Erstürmung des Werkes zu verhindern, indem sie die Polizisten mit Steinen und Brandbomben bewarfen. Von brennenden Reifen und Möbeln stiegen dicke Rauchwolken auf. Augenzeugen zufolge fing auch ein Zelt Feuer. Die Polizei konnte die Brände jedoch löschen, bevor die Flammen auf Nachbargebäude übergriffen.

Aus Protest gegen eine Massenentlassung hatten etwa 600 Arbeiter, zum Teil zusammen mit ihren Familien, das Daewoo-Werk in Bupyong besetzt. Die Polizei hatte das Werk daraufhin mit 2000 Beamten abgeriegelt, um zu verhindern, dass weitere Demonstranten zu den Besetzern gelangen konnten. Der Konzern hatte in der vergangenen Woche 1751 Mitarbeiter entlassen. Daewoo, der drittgrößte Automobilhersteller in Südkorea, steckt seit der Asienkrise von 1997 und 1998 in Schwierigkeiten. Die Proteste der Arbeiter richten sich auch gegen den angestrebten Verkauf von Daewoo an einen ausländischen Konzern.

Der drittgrößte koreanische Autohersteller ist mit umgerechnet mehr als 30 Milliarden Mark verschuldet und hat bereits vor längerem Antrag auf Zwangsverwaltung gestellt. Der US-Konzern General Motors ist grundsätzlich an einem Einstieg bei Daewoo interessiert, Verhandlungen stehen aber noch aus. Die koreanische Dachgewerkschaft KCTU drohte mit einem Boykott von GM-Fahrzeugen, falls der US-Konzern bei Daewoo einsteigen sollte. "Falls GM Daewoo Motor kauft, werden wir strenge Disziplinarmaßnahmen einleiten, und dazu gehört ein Boykott von GM-Fahrzeugen", sagte Gewerkschaftschef Dan Byoung Ho, dessen Gewerkschaft landesweit 650.000 Mitglieder hat.

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