Wirtschaft : Daimler-Benz setzt sich anspruchsvolle Ziele

Umsatz soll bis 2008 verdoppelt werden / 2000 bis 3000 neue Mitarbeiter / Nobelauto "Maybach" möglich STUTTGART (alf).Mit Rekordzahlen im Rücken will der Daimler-Benz-Konzern in den kommenden zehn Jahren seinen Umsatz verdoppeln.Vorstandschef Jürgen Schrempp sagte am Mittwoch bei der Vorlage der Bilanz in Stuttgart, Daimler habe seine "Position als größtes europäisches Industrieunternehmen gefestigt".1998 werde der Umsatz auf mindestens 134 Mrd.DM steigen, im Jahr 2007 soll er bei 250 Mrd.DM liegen.Um die hochgesteckten Ziele zu erreichen, investiert Daimler bis zum Jahr 2000 mehr als 40 Mrd.DM.Erstmals veröffentlichte der Konzern Planzahlen für die nächsten Jahre sowie Renditekennziffern für die einzelnen Geschäftsbereiche. Schrempp räumte ein, der Konzern habe sich "sehr anspruchsvolle Ziele gesetzt".In den vergangenen Jahren sei Daimler jedoch "erheblich wettbewerbsfähiger geworden", im Unternehmen wehe ein "neuer unternehmerischer Geist".Entscheidend für den Erfolg sei die schnelle Umsetzung von Innovationen auf den Märkten.So seien 80 Prozent der Daimler-Produkte jünger als fünf Jahre.Die Profitabilität sei "erheblich verbessert" worden.Im vergangenen Jahr konnte der Konzern seine Kapitalrendite auf 10,2 Prozent fast verdoppeln.Unter den Autoherstellern "sind wir damit deutlich der beste in Deutschand" so Schrempp.Dennoch sei er mit der Ertragssituation "bei weitem nicht zufrieden".Das operative Ergebnis war 1997 um 79 Prozent auf 4,33 Mrd.DM gestiegen. Auf die einzelnen Geschäftsfelder verteilt sich der Gewinn folgendermaßen: Der mit Abstand größte Beitrag kam aus dem Pkw-Bereich mit 3,13 Mrd.DM (plus 1 Prozent).Nutzfahrzeuge steuerten 481 Mill.DM bei, nachdem 1996 noch ein Verlust von 354 Mill.DM eingefahren worden war.In der Luft- und Raumfahrt (Dasa) lag das Ergebnis bei 432 Mill.DM (minus 196 Mill.DM) und bei den Dienstleistungen (debis) bei 457 Mill.DM (288 Mill.DM).Aufgrund des Gewinnsprungs zahlt Daimler für 1997 eine Dividende von 1,60 DM nach zuletzt 1,10 DM und erreicht damit "eine historische Bestmarke" (Schrempp).Die Gesamtausschüttung an die Aktionäre erhöht sich entsprechend von 567 Mill.DM auf 827 Mill.DM. Im ersten Quartal des laufenden Jahres blieb der Konzern auf Wachstumskurs, der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 22 Prozent auf 31,58 Mrd.DM.Dabei zog die Pkw-Produktion um 30 Prozent auf 200 000 Einheiten und entsprechend ein Umsatzplus von 23 Prozent auf 14 Mrd.DM überdurchschnittlich an.Aufgrund des glänzenden Geschäftsverlaufs kündigte Schrempp einen leichten Beschäftigungsaufbau um 2000 bis 3000 Mitarbeiter an.Im vergangenen Jahr war die Zahl der Beschäftigten um rund 12 000 auf 300 000 - davon 75 000 im Ausland - gestiegen.Schrempp kündigte an, im Konzern würde im laufenden Jahr die Zahl der Ausbildungsplätze um zehn Prozent auf 3300 erhöht. In der Autoproduktion rechnet Schrempp in den kommenden Jahren mit Rekorden am Fließband.Aufgrund der "modernsten und jüngsten Produktpalette in unserer Geschichte" soll die Herstellung von zuletzt 715 000 auf 850 000 in diesem Jahr und 1,2 Mill.im Jahr 2000 hochgefahren werden.Der Absatz von Nutzfahrzeugen soll im gleichen Zeitraum von 414 000 auf 500 000 Einheiten steigen; Daimler ist bereits heute weltweit größter Lkw-Hersteller.Spätestens 1999 soll der Bereich Nutzfahrzeuge die von Schrempp vorgegebene Mindestrendite von 12 Prozent übertreffen.Da ist die Pkw-Sparte schon weiter: Hier lag die Rendite auf das eingesetzte Kapital 1997 bei 21,5 Prozent - trotz der Schwierigkeiten und Auslieferungsverzögerungen bei A-Klasse und Smart, für die 1997 400 Mill.DM zurückgestellt wurden.In diesem Jahr kommt neben der gerade ausgelieferten M-Klasse noch im Sommer das CLK-Cabrio und im Herbst der Kleinwagen Smart sowie die neue S-Klasse auf den Markt.Angesprochen auf die Planungen zum Bau des Nobelautos "Maybach" sagte Pkw-Vorstand Jürgen Hubbert, die Wahrscheinlichkeit, daß das mehrere hunderttausend DM teure Auto gebaut werde, sei "größer als 50 Prozent".Noch in der ersten Jahreshälfte werde eine Entscheidung fallen.Zu den Bemühungen von VW und BMW um Rolls-Royce sagte Hubbert, "der ein oder andere scheint das Image zu brauchen, wir brauchen es nicht". Die Luftfahrt-Tochter Dasa soll bereits in diesem Jahr die Renditevorgaben erreichen.Schrempp wies darauf hin, daß das europäische Airbus-Konsortium, an dem die Dasa mit rund 38 Prozent beteiligt ist, kürzlich mit 90 Flugzeugen den größten Auftrag seiner Geschichte bekommen habe.Einen Schatten auf die insgesamt glänzende Jahresbilanz werfen die industriellen Beteiligungen des Konzerns, darunter der Schienenfahrzeughersteller Adtranz, ein Gemeinschaftsunternehmen mit ABB.Neben einem operativen Verlust, der nicht beziffert wurde, schlug Adtranz im vergangenen Jahr mit Abschreibungen von 120 Mill.DM auf den Unternehmenswert zu Buche.Im laufenden Jahr soll der Bahnhersteller mit Sitz in Hennigsdorf jedoch wieder schwarze Zahlen schreiben.

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