Wirtschaft : Daimler beschließt den Berlin-Umzug

Vertrieb kommt mit 500 Mitarbeitern / Protest des Betriebsrats: "Umzug kostet 100 Millionen DM"

BERLIN/STUTTGART (dw). Der Vorstand der Daimler-Benz AG hat am Dienstag abend erwartungsgemäß beschlossen, die Zentrale des Deutschlandsvertriebs von Stuttgart und vier anderen Standorten nach Berlin zu verlegen.Betroffen sind rund 500 bis 550 Mitarbeiter der Mercedes-Benz Vertriebsorganisation Deutschland (MBVD), die ab Mitte 1998 in die neuen Büros am Potsdamer Platz einziehen werden.Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen erklärte, diese "wichtigste Wirtschaftsentscheidung für Berlin" zeige, daß es richtig gewesen sei, den Konzern frühzeitig als Investor für den Potsdamer Platz zu gewinnen.
Ursprünglich sollten alle 700 Vertriebsmitarbeiter nach Berlin umziehen.Proteste der Belegschaft führten jedoch dazu, daß die Geschäftsleitung sich dafür entschied, einige "produktionsnahe" Abteilungen in Stuttgart zu belassen.Nachdem der Personalvorstand Heiner Tropitzsch am Mittwoch morgen die Arbeitnehmervertreter über die Entscheidung informierte, kam es zu einer spontanen Arbeitsniederlegung und Protestkundgebung, an der sich nach Bertriebsratsangaben etwa 200 Mitarbeiter beteiligten."Die Belegschaft ist nicht bereit, diese unsinnige und teure Umzugsentscheidung mitzutragen", erklärte Betriebsratssprecher Friedrich Pfleghar gegenüber dem Tagesspiegel.Nach einer Überschlagsrechnung des Betriebsrates "dürfte der Umzug samt aller Folgekosten Daimler gut 100 Mill.DM kosten."
Bereits am Dienstag abend hatte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates bei Daimler Benz, Karl Feuerstein, auf der Sitzung des Wirtschaftsausschusses kritisiert, es sei "ein einmaliger Vorgang bei Daimler-Benz, daß man bei so einer gravierenden Entscheidung nicht vorher weiß, was das kostet." Es gebe keine sachlichen Gründe für den Umzug, ergänzte Betriebsrat Pfleghar.Offenbar müsse Daimler nun das vom ehemaligen Konzern-Chef Edzard Reuter gegeben Versprechen erfüllen und in Berlin 1000 neue Arbeitsplätze schaffen.Der Vertriebsbereich müsse dafür den "Lückenbüßer" spielen.
Der Konzern teilte mit, die Entscheidung für Berlin "unterstützt die bereits eingeleitete Neuausrichtung der Vertriebsgesellschaft." Es sei wichtig "rechtzeitig dort zu sein, wo politische und Investitionsentscheidungen getroffen werden, die den Standort Deutschland und damit die Rahmenbedingungen der Mercedes-Benz-Kunden betreffen", so Vorstandmitglied Dieter Zetsche."Berlin entfaltet schon heute eine Sogwirkung für Interessenverbände wie Güterverkehr- und Speditionsverbände oder Taxi- und Autovermietungsverbände, die die Belange unserer Nutzfahrzeug- und Pkw-Kunden vertreten."

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben