Wirtschaft : Daimler-Chrysler: Daimler strebt Tarifänderung an

Daimler-Chrysler will für die Sanierung ihrer angeschlagenen Tochter Chrysler mit der US-Autogewerkschaft UAW über tarifvertragliche Zugeständnisse verhandeln. "Wir werden uns bei Gesprächen mit der UAW um mehr Flexibilität im Rahmen der geltenden Verträge bemühen", sagte ein Firmensprecher in Stuttgart. Auch Entlassungen seien nicht auszuschließen: "Ein Stellenabbau kann noch Thema werden", sagte Daimler-Chrysler Finanzchef Manfred Gentz. Man werde die Öffentlichkeit möglichst in den nächsten Tagen dazu informieren. Chrysler beschäftigt rund 125 000 Mitarbeiter. Analysten halten sogar die Stilllegung von Werken für möglich. Der Konzernsprecher verwies darauf, dass der neue Chrysler-Chef Dieter Zetsche erst Anfang der Woche mit einer umfassenden Analyse begonnen habe. Eine Folge könnte eine Fülle von Maßnahmen sein, um eine Wende bei Chrysler zu erreichen.

Hintergrund der Gespräche mit der Gewerkschaft UAW ist ein 1999 geschlossener Tarifvertrag, der bis 2003 gilt. Dieser Vertrag sieht etwa vor, dass Beschäftigte bei Werksschließungen und Entlassungen 95 Prozent ihrer Nettobezüge weiterbezahlt bekämen. Dieser Betrag werde mit der staatlichen Arbeitslosen-Unterstützung verrechnet, so dass Daimler-Chrysler bei einem Stellenabbau für die ersten 42 Wochen nur einen Teil davon zahlen müsste. Der Tarifvertrag sieht nach früheren Angaben auch Maßnahmen zur Sicherung von Stellen vor und verpflichtet das Unternehmen etwa zur Einstellung neuer Mitarbeiter, falls in anderen Bereichen die Zahl der Stellen unter eine bestimmte Grenze fällt.

Analysten rechnen damit, dass Daimler-Chrysler bei seiner US-Tochter einen umfassenden Stellenabbau einleiten wird, der auch Werksschließungen beinhalten dürfte. "Ein bis zwei Werke (von 13 in Nordamerika) werden dran glauben müssen", sagte Auto-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Die Zahl der Mitarbeiter dürfte um etwa 10 000 oder 20 000 reduziert werden.

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