Wirtschaft : Daimler-Chrysler: Vorschusslob für das deutsch-amerikanische Unternehmen

Daniel Rhee-Piening

Die Aktionäre von Daimler-Chrysler haben wirklich keinen Grund zur Freude, aber sie sind Kummer gewöhnt und deshalb weit davon entfernt zu resignieren. Wissen Sie noch, wann der Kurs der Aktie zuletzt die Schwelle von 100 Euro überschritt? Es war im April 1998. Seitdem ging es abwärts. Als der Vorstandsvorsitzende Jürgen Schrempp öffentlich über den Shareholder Value nachdachte, wandten sich insbesondere die amerikanischen Anleger - vertreten durch ihre großen Pensionsfonds - in Scharen ab. In Stuttgart hatte man Erwartungen geweckt, die nicht erfüllt werden konnten. Seit längerem ist wieder Normalität eingekehrt, und selbst die deutschen Gewerkschaften haben jüngst die Auto-Aktionäre gewarnt, die Bäume wüchsen wohl nicht so schnell in den Himmel.

Deshalb kam die Meldung hoher Verluste im amerikanischen Automobil-Geschäft am Mittwoch nicht ganz überraschend. Vorahnungen davon hatte Schrempp schon einmal im Sommer durchblicken lassen. Also hielten sich die Anleger an die alte Börsenregel und handelten mit der Zukunft. Im vierten Quartal soll Chrysler doch schon wieder positive Ergebnisse erzielen. Deshalb ist es auch nur auf den ersten Blick paradox, dass die Börse die Verluste mit Kursgewinnen quittiert. Zudem verweist man in der Daimler-Chrysler-Zentrale auf neue Chancen in Asien. Die Börsianer glauben es - zumindest vorerst. Doch morgen schon kann es mit der Zuversicht wieder vorbei sein, und die Bären können wieder die Meinungsführerschaft übernehmen. Die aber wollen heute Gewinne sehen. Dann haben die Daimler-Aktien bis zur Marke von 100 Euro noch einen verdammt weiten Weg vor sich.

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