Wirtschaft : Daimler und Chrysler besiegeln Hochzeit

Keine Werkschließungen geplant / Über 420 000 Beschäftigte in dem neuen Konzern / Schrempp wird Chef LONDON (ajo/HB).Daimler und Chrysler haben ihre Mega-Fusion besiegelt.Nach nur vier Monaten Verhandlungen vereinbarten beide Unternehmen den größten Zusammenschluß der Industriegeschichte.Die Spitzen der beiden Unternehmen vereinbarten am Donnerstag zwar eine gleichberechtigte Fusion.Doch die bisherigen Anteilseigner von Daimler-Benz werden 57 Prozent der Aktien der neuen Daimler Chrysler AG halten, die bisherigen Chrysler-Aktionäre 43 Prozent.Ihren Sitz wird die neue Gesellschaft sowohl in Stuttgart als in den USA haben.Die neue Gesellschaft wollen Daimler-Chef Jürgen Schrempp und Chrysler-Boß Robert Eaton in den nächsten drei Jahren gemeinsam führen.Dies sei für den Übergang die beste Lösung, erklärte Eaton auf der gemeinsamen Pressekonferenz in London.Nach drei Jahren wird Schrempp die Leitung des Unternehmens allein übernehmen und Eaton dem Vernehmen nach in den Aufsichtsrat wechseln.Eingefädelt hat die mit einer Marktkapitalisierung von 166 Mrd.DM größte Fusion der Industriegeschichte Schrempp im Januar dieses Jahres.Grund sei der weltweite Konsolidierungsprozeß in der Automobilbranche aufgrund der bestehenden Überkapazitäten."Wir haben uns gesagt, daß wir eine führende Rolle übernehmen müssen", sagte Schrempp."Jetzt waren wir noch in der Lage, unseren Lieblingspartner auszusuchen", erklärte Eaton.Beide Unternehmen seien auch allein für die kommenden fünf bis sieben Jahre sehr gut positioniert, sagte Schrempp.Er betonte, daß das neue Unternehmen sich nicht von den bisherigen Daimler-Benz-Beteiligungen in den anderen Sektoren, wie Luft- und Raumfahrt, Dienstleistungen und Bahn, trennen wolle.Durch die Fusion seien keine Werksschließungen oder Entlassungen geplant, sicherten beide Seiten zu.Daimler und Chrysler arbeiteten derzeit am Rande ihrer Kapazitäten.Eaton und Schrempp erwarten weiteres Wachstum und damit die Schaffung neuer Arbeitsplätze.Die beiden Konzernlenker sehen gemeinsam große Chancen in den Wachstumsmärkten Südamerika und Asien.Das neue Unternehmen habe ausreichend Mittel für das künftige Wachstum.Eaton versprach den Aktionären eine doppelt so hohe Dividendenrendite wie bisher.Er kann sich auch die Rückzahlung von Barmitteln an die Aktionäre vorstellen.Matthias Graf von Krockow, Sprecher der Geschäftsführung des Kölner Bankhauses Sal.Oppenheim, wird erster Aufsichtsratsvorsitzender der Daimler Chrysler AG.Beide Unternehmen würden zunächst auf die zu diesem Zweck neu gegründete Oppenheim AG verschmolzen, teilte das Kölner Bankhaus mit.Bei dieser Gesellschaft handele es sich um die zukünftige Daimler Chrysler AG.Aufsichtsratschef der Oppenheim AG werde Krockow.Verfahrensfragen und steuerliche Aspekte hätten eine direkte Verschmelzung verhindert, hieß es in Bankkreisen.Zudem solle der Name Oppenheim Ressentiments jüdischer Großanleger gegen die Fusion verhindern.Der Zusammenschluß soll bis Ende 1998 über die Bühne gehen.Das fusionierte Unternehmen hätte bei einem Umsatz von addiert 234 Mrd.DM rund 421 000 Beschäftigte.Der Daimler-Benz-Aufsichtsrat entscheidet am 14.Mai über das offizielle Verhandlungsmandat.Bereits im Oktober sollen die Hauptversammlungen ihre Zustimmung geben.Wie Schrempp erklärte, wurde die deutsche Rechtsform aus steuerlichen Gründen gewählt.Schrempp sieht für den Megadeal keine Probleme mit den jeweiligen Kartellbehörden.Auch die Europäische Kommission erwartet nach einer Anmeldung der Fusion kaum Probleme für eine Genehmigung.Das verlautete aus der Behörde in Brüssel.Noch sei der Zusammenschluß aber nicht angemeldet worden.Wegen der Größe der Unternehmen ist Brüssel wettbewerbsrechtlich zuständig und nicht das Bundeskartellamt in Berlin."Wir stehen der Fusion nicht ablehnend gegenüber", erklärte der stellvertretende Daimler-Benz-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Alfons Görgemanns.Allerdings müßten erst die Fakten genau überprüft werden.Die deutsche Rechtsform des Unternehmens räume eine hohe Hürde für die Arbeitnehmerseite zur Seite.Damit würde bei dem neuen Weltkonzern die Mitbestimmung gelten.IG-Metall-Sprecher Jörg Barczynski erklärte sich in Hannover erfreut darüber, daß der neue Konzern in Deutschland keine Arbeitsplätze abbauen will.Doch ließen sich die Auswirkungen der Fusion auf die Beschäftigung in der Zuliefererindustrie derzeit noch nicht abschätzen.Auf lange Sicht, betonte zudem IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, würden in der deutschen Automobilindustrie ohnehin eher Arbeitsplätze abgebaut.Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt begrüßte die Fusion.Daimler-Aktien fuhren dem deutschen Aktienmarkt davon.Nach Bekanntgabe der Fusion mit Chrysler rückten die Papiere bis zu neun Prozent vor, fielen dann aber wieder etwas zurück und lagen zum Parkettschluß mit 205,10 DM um 6,32 Prozent höher.Im Sog des Fusionspapiers kletterten Deutsche Bank, mit 21,8 Prozent einer der Hauptaktionäre bei Daimler, um 2,06 Prozent auf 151 DM.Vorstandssprecher Rolf Breuer erklärte in Frankfurt, die Beteiligung seines Hauses an der neuen AG werde etwa 12% betragen.Damit wird die Deutsche Bank größter Aktionär sein.Die angekündigte Fusion beflügelte auch die europäischen Autoaktien kräftig, die Titel der japanischen Konkurrenz gingen dagegen teilweise massiv zurück.

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