Wirtschaft : Daimler und Rolls-Royce greifen tiefer in die Tasche

Übernahmeangebot für den Motorenhersteller Tognum auf 3,4 Milliarden Dollar erhöht

Carsten Herz
Bei der Arbeit. Eine Mitarbeiterin der Tognum-Tochter MTU montiert einen Motor. Daimler und Rolls-Royce wollen mit Tognum vor allem in Asien expandieren. Foto: dpa
Bei der Arbeit. Eine Mitarbeiterin der Tognum-Tochter MTU montiert einen Motor. Daimler und Rolls-Royce wollen mit Tognum vor...Foto: dpa

Frankfurt am Main - Ganz eingewilligt hat Tognum-Chef Volker Heuer noch nicht. Doch die geplante Übernahme des Dieselmotoren-Herstellers durch Daimler und den Triebwerkhersteller Rolls- Royce ist seit dem Wochenende in greifbare Nähe gerückt. Das erste Angebot fand bei Tognum und dessen Aktionären keinen Anklang. Aber nun greifen die Stuttgarter und ihr Partner tiefer in die Tasche und sind laut Tognum bereit, ihre gemeinsame Offerte um rund 260 Millionen Euro auf 3,4 Milliarden Euro aufzustocken, wenn die Führung des Friedrichshafener Unternehmens ihren Widerstand gegen eine Übernahme aufgibt. Tognum signalisierte bereits, dass man sich auf dieser Basis einigen könne.

Daimler und Rolls-Royce könnten damit bei der geplanten Übernahme des Dieselmotorenherstellers noch diese Woche der Durchbruch gelingen. Zahlreiche Tognum-Großinvestoren sowie das Management hatten darauf gepocht, dass sie mehr Geld als die bislang gebotenen 24 Euro pro Aktie bekommen. In Finanzkreisen hieß es nun, mit dem neuen Gebot müsste man genügend Interesse wecken können, um auf eine Mehrheit zu kommen. „Der Vorstand begrüßt grundsätzlich die Bereitschaft der Bieterin, das Angebot zu erhöhen“, erklärte Tognum am Wochenende.

Tognum-Großinvestoren, die die Offerte bisher ablehnten, nähern sich aber vorsichtig den neuen Preisvorstellungen von Daimler und Rolls-Royce an. Der niederländische Versicherer Delta Lloyd, der 1,5 Prozent hält, kommt nun ins Grübeln: „Wir haben uns noch nicht entschieden, ob wir für 26 Euro einschlagen. Eigentlich ist das angesichts der Synergien noch nicht genug“, sagte Fondsmanager Edwin Slaghekke.

Bisher stieß das Angebot kaum auf Resonanz, weil die Aktie an der Börse mit 26 Euro klar über dem bisherigen Angebotspreis liegt. Nur 0,02 Prozent der freien Aktionäre dienten bisher Daimler & Co. ihre Tognum-Aktien an. Die Tognum-Großaktionäre ING, First Eagle, Delta Lloyd und Deka hatten dagegen öffentlich einen höheren Preis gefordert. Es wäre deshalb ein wichtiger Schritt für Daimler und Rolls-Royce, das Tognum-Management auf ihre Seite zu ziehen. „Wir haben die Hand ausgestreckt - jetzt muss Tognum Farbe bekennen“, hieß es am Sonntag in Stuttgart. Denn das Votum des Managements hat nicht nur für Anleger Signalwirkung – Aufsichtsräte und Führungskräfte von Tognum halten zusammen auch fünf Prozent.

Die potenziellen Käufer haben nicht mehr viel Zeit, ihr Angebot nachzubessern. Die Frist für die bisherige Offerte läuft Mittwoch ab – maximal 24 Stunden vorher darf das Angebot noch korrigiert werden. Die Angebotsfrist würde sich dann bis zum 1. Juni verlängern. Briten und Schwaben wollen das Angebot nur durchziehen, wenn sie mehr als 50 Prozent bekommen. Seit die Übernahmepläne Mitte März vorlegt wurden, notieren die Tognum-Papiere jedoch über dem Angebotspreis. Seit Tagen sprechen darum Daimler, das bereits 28,4 Prozent an Tognum hält, und Rolls-Royce mit dem Tognum-Management darüber, wie verhindert werden kann, dass der Deal noch platzt. Daimler und Rolls-Royce wollen Tognum zu einem führenden Anbieter von Antriebssystemen ausbauen und in Schwellenländern expandieren. (HB)

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