Wirtschaft : Daimler verkauft MTU an schwedischen Investor

EQT zahlt 1,6 Milliarden Euro – die Aktie des Stuttgarter Konzerns legt zu

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Stuttgart - Der neue Daimler-Chrysler- Chef Dieter Zetsche hat bei seinem Amtsantritt am 1. Januar ein Problem weniger und kann sich voll auf die Sanierung des Autogeschäfts konzentrieren. Der Konzern hat am Mittwoch den Dieselmotorenhersteller MTU Friedrichshafen und die Großmotorenfertigung von Detroit Diesel in den USA für 1,6 Milliarden Euro an den schwedischen Finanzinvestor EQT verkauft.

Um den geplanten Verkauf des Dieselmotorenherstellers hatte es im Sommer ein monatelanges Hickhack unter den Gesellschaftern gegeben, da die Minderheitsaktionäre andere Ziele verfolgten als Großaktionär Daimler-Chrysler. Erst durch das Herauskaufen der Gründerfamilien konnte Daimler den Verkaufsprozess wieder in Gang bringen und ein neues Auktionsverfahren starten. Die Schweden stachen den Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern MAN sowie ein Konsortium um den US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und Daimler-Chrysler-Großaktionär Dubai Capital aus. Der Kaufpreis liegt leicht unter den Erwartungen.

Ergebniswirksam wird der Verkauf im ersten Quartal 2006, unter anderem weil die Zustimmung der Kartellbehörden noch fehlt. Bei einem Verkauf an einen ausländischen Investor hat auch die Bundesregierung ein Mitspracherecht, weil es sich um rüstungspolitische Kernkompetenzen handelt. Es wird aber nicht erwartet, dass Berlin das Geschäft noch blockieren könnte.

Ursprünglich wollte Daimler-Chrysler mit dem MTU-Verkauf den Aufwand von 950 Millionen Euro für den Abbau von 8500 Stellen bei Mercedes abfedern. Der größere Teil dieses Aufwands fällt bereits in diesem Jahr an. Befürchtungen von Analysten, der Konzern müsse daher seine Prognose für 2005 korrigieren, bestätigten sich nicht. „Wir halten unsere bisherige Prognose aufrecht“, sagte ein Sprecher. Daimler-Chrysler-Aktien legten am Mittwoch 1,3 Prozent auf 43,37 Euro zu. Nach Abzug von Schulden und Pensionsverpflichtungen wird Daimler- Chrysler im ersten Quartal 2006 eine Milliarde Euro zufließen.

Die neuen Eigentümer hielten sich am Mittwoch bezüglich ihrer Pläne für MTU sehr zurück. „Die Wertsteigerungsstrategie von EQT basiert auf massiven Investitionen in das Wachstum der übernommenen Firmen“, sagte Marcus Brennecke, von EQT Deutschland. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen will EQT 100 Millionen Euro in eine neue Dieselmotorenserie investieren, die rund 300 Arbeitsplätze schaffen würde. Die Eigenständigkeit von MTU solle gewahrt bleiben, sagte Brennecke. Sogar Zukäufe seien möglich. EQT halte seine Beteiligungen gewöhnlich fünf bis sieben Jahre. Einen Stellenabbau schloss der neue Eigentümer vorerst aus. Die MTU-Belegschaft begrüßte grundsätzlich den neuen Investor, monierte jedoch, dass MTU die hohe Schuldenlast der Finanzierung aufgebürdet werde, wie ein Betriebsratssprecher sagte. mwb/hz (HB)

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