Wirtschaft : DaimlerChrysler stellt die Weichen bei Adtranz

BERLIN (chi).Nach dreijähriger Partnerschaft mit ABB hat die DaimlerChrysler AG die alleinige Verantwortung bei der Schienenfahrzeugtochter Adtranz übernommen.Beide Konzerne teilten am Mittwoch mit, daß die schwedisch-schweizerische ABB ihre 50prozentige Beteiligung für rund 795 Mill.DM an die Stuttgarter verkaufen werde.Das ist weniger als erwartet.Der Anteil war auf knapp drei Mrd.DM geschätzt worden.Die Börse reagierte positiv.Die DaimlerChrysler-Notierung legte bis mittags um 1,6 Prozent zu.

Die vollständige Übernahme der Schienenfahrzeugtochter sei "ein klares Signal, daß wir Adtranz mit voller Kraft voranbringen wollen", sagte Aufsichtsratschef und DaimlerChrysler-Vorstandsmitglied Eckhard Cordes.Auf die Arbeitsplätze werde dies unmittelbar keine Auswirkungen haben, fügte ein Sprecher in Stuttgart hinzu.Adtranz, der weltweit größte Bahntechnikhersteller, hat mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen.Nachdem 1996 noch ein Gewinn von 40 Mill.DM erzielt worden war, präsentierte das Unternehmen für 1997 bei einem Umsatz von 6,5 Mrd.DM einen Verlust von 380 Mill.DM.Dazu trugen vor allem die deutschen Werke bei - sie werden nach jüngsten Angaben von Adtranz-Chef Rolf Eckrodt auch für 1998 ein Defizit "in dreistelliger Millionenhöhe" einfahren.Zugleich gab es Pannen bei den Fahrzeugauslieferungen, etwa beim Neigetechnik-Regionalzug VT 611.Cordes zeigte sich nun zuversichtlich, daß das Management die neuen Möglichkeiten nutzen werde, "die Restrukturierung noch schneller voranzutreiben".Bekannt wurde schon ein neuer Name für Adtranz: DaimlerChrysler Railsystems.

Im vergangenen Sommer hatte Adtranz-Deutschland-Chef Rolf Eckrodt, der Ende Dezember auch die Leitung der gesamten Gruppe übernahm, den deutschen Werken ein hartes Sanierungskonzept verordnet.Das Ergebnis in Deutschland sei "hochgradig unbefriedigend", das Kostenniveau müsse um gut ein Drittel verbessert werden, sagte er damals.Von den insgesamt neun deutschen Standorten sollte jener in Berlin-Pankow geschlossen werden, die Zahl der Mitarbeiter deutschlandweit um 1440 auf 6000 verringert werden.Obwohl Adtranz vor wenigen Tagen für das Werk Pankow einen möglichen Partner, die schweizerische Stadler AG, vorstellte, ist der Stellenabbau deutschlandweit noch umstritten."Die Verhandlungen sind ins Stocken geraten", sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Michael Wobst, dem Tagesspiegel.Nun wurde eine Einigungsstelle eingeschaltet.

Dennoch begrüßte der Betriebsrat die neuen Veränderungen.Zwar bleibe abzuwarten, ob nun ein weiterer Konzentrationsprozeß innerhalb der Gruppe eingeleitet werden.Die klare Führungsstruktur aber "eröffnet die Aussicht, daß die Entscheidungsprozesse künftig zügiger ablaufen", sagte Wobst.Der "Stillstand" nach dem Rücktritt von Adtranz-Konzernchef Kaare Vagner im Herbst und das monatelange Tauziehen der Hauptaktionäre um die Nachfolge und nötige Finanzspritzen, sei für das Unternehmen nicht von Vorteil gewesen.

Die Frage einer Finanzspritze für Adtranz ist weiter offen.Der "günstige" Kaufpreis könnte eine Vorleistung von ABB gewesen sein.Nach unbestätigten Meldungen benötigt Adtranz eine Zuschuß von 700 Mill.DM.Ob frisches Kapital benötigt werde, sei noch nicht entschieden, sagte ein Sprecher.

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