Wirtschaft : DaimlerCrysler: Konzern erhöht Einfluss auf Mitsubishi

ajo/weg

Der deutsch-amerikanische Autokonzern Daimler-Chrysler will offenbar seinen Einfluss auf den krisengeschüttelten japanischen Autobauer Mitsubishi Motors (MMC) vergrößern. Die Stuttgarter Konzernzentrale kündigte am Donnerstag ohne nähere Angaben eine Mitteilung zu Mitsubishi für Freitag an. Deutsche und japanische Medien berichteten in den vergangenen Tagen übereinstimmend, Daimler-Chrysler wolle seinen Anteil an MMC von den bislang anvisierten 34 Prozent auf knapp 40 Prozent hochfahren und mehr Einfluss auf die Qualitätskontrolle nehmen. Nach Informationen der Zeitung "Nihon Keizai Shimbun" will Mitsubishi-Motors-Chef Katsuhiko Kawasoe am Freitag zurücktreten. Als Nachfolger sei Vize-Chef Takashi Sonobe auserkoren worden. Ein Firmensprecher in Tokio bestätigte Pläne für eine Pressekonferenz am Freitag in Japan, bei der auch Kawasoe sprechen wolle.

"Nihon Keizai Shimbun" berichtete weiter, die Gespräche beider Autokonzerne über die Zukunft ihrer Allianz hätten sich auch um die Schaffung eines zusätzlichen MMC-Vorstandspostens für Qualitätssicherung gedreht, den Daimler-Chrysler besetzen wolle. Dies hatte am Mittwoch auch die "Financial Times Deutschland" berichtet.

Der Daimler-Chrysler-Anteil an MMC solle aus bilanztechnischen Gründen auf jeden Fall unter 40 Prozent bleiben, schrieb das japanische Blatt. Nach den gängigen internationalen Rechnungslegungsstandards wäre Daimler-Chrysler sonst gezwungen, den japanischen Allianzpartner voll zu konsolidieren und damit auch die rund 30 Milliarden Mark Schulden von Mitsubishi in die eigene Bilanz zu integrieren. Aus gleichem Grund soll der deutsch-amerikanische Konzern bereits ein Ersuchen von MMC abgelehnt haben, Kawasoe durch einen eigenen Manager zu ersetzen. Auslöser für die Änderungen war der Skandal um Mängel an MitsubishiFahrzeugen, die über Jahrzehnte vertuscht worden waren.

Am Kapitalmarkt wird der stärkere Einfluss von Daimler-Chrysler auf Mitsubishi grundsätzlich als Chance gesehen. Dies ergab eine Analysten-Umfrage des Handelsblattes. Die Experten rechnen mit keiner größeren Reaktion der Daimler-Chrysler-Aktie, wenn sich die Informationen vom Donnerstag bestätigen. Als "salomonische Lösung" bezeichnete Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler die Aufstockung des Anteils um wenige Prozentpunkte. Damit sei die japanische Seite trotz des Kursverfalls der Mitsubishi-Aktie nicht zu einem Preiszugeständnis gezwungen gewesen. Das Paket von 34 Prozent sollte 2,1 Milliarden Euro kosten. Auch Albrecht Denninghoff von der Bankgesellschaft Berlin sieht darin einen "versteckten Rabatt".

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