Wirtschaft : DaimlerCrysler: Mitsubishi-Krise nutzt Daimler (Kommentar)

Alfons Frese

Wo haben sich Eckard Cordes und Manfred Bischoff in den letzten Tagen aufgehalten? Waren die Vertrauten von Jürgen Schrempp zwecks Schadensbegrenzung unterwegs? Oder wurde im Rahmen eines Sondereinsatzes in Tokio die Position bei Mitsubishi nachgebessert? Als sich Daimler-Chrysler im Frühjahr mit 34 Prozent an dem Autohersteller beteiligte, war den Stuttgartern klar, dass der neue Partner mehr als 30 Milliarden Mark Schulden hat und ein Sanierungsprogram fällig ist. Das nahm Schrempp in Kauf: Daimler-Chrysler will zu einem Komplettanbieter werden und braucht dazu Kompetenz im Kleinwagenbereich; die Kompetenz von Mitsubishi. Von den kriminellen Machenschaften der Japaner - über Jahrzehnte wurden Mängel an den Fahrzeugen vertuscht, was enorme Schadenersatzansprüche nach sich ziehen könnte - dürfte Schrempp damals nichts gewusst haben. Erst vor kurzem klärten die japanischen Behörden den Sachverhalt auf; die übliche Entschuldigung - die Mitsubishi-Manager senkten die Köpfe - war nur Symbolik. Der Autobauer ist vielmehr derartig in Turbulenzen geraten, dass Köpfe rollen. Voraussichtlich am heutigen Freitag tritt Unternehmenschef Kawasoe zurück. Aber wofür gibt er den Weg frei? Offenbar für Daimler-Chrysler: Bischoff und Cordes setzten für den Preis von vier Milliarden Mark - so viel sollten die 34 Prozent ursprünglich kosten - einen höheren Anteil sowie größeren Einfluss auf das Management durch. Der Krisengewinner sitzt in Stuttgart - wenn nicht noch weitere schlechte Nachrichten aus der Mitsubishi-Zentrale kommen.

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