Wirtschaft : DAK senkt 2005 die Krankenkassenbeiträge Rückgang um 0,3 Punkte möglich / Andere zögern

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Berlin Mitglieder der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) müssen ab Mitte kommenden Jahres weniger Beitrag bezahlen. Das kündigte der designierte DAK-Chef Herbert Rebscher am Mittwoch in Berlin an. „Es geht um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte“, sagte er. Die meisten anderen Kassen zögern bislang noch, ihren Beitrag 2005 zu senken. Derweil streiten Krankenkassen und Pharmaindustrie über die Fortsetzung des gesetzlichen Zwangsrabatts für Arzneien, den die Hersteller den Kassen einräumen müssen.

Die DAK ist die zweitgrößte deutsche Kasse. Sie will erst im Mai endgültig entscheiden, ob und wie stark ihre Preise sinken. Sie peilt für dieses Jahr einen Überschuss von 306 Millionen Euro an. Bereits zu Anfang dieses Jahres hatte sie den Beitrag von 15,2 auf 14,7 Prozent gesenkt. Damit liegt sie weiterhin über dem Schnitt aller Kassen von rund 14,2 Prozent.

Die DAK-Mitglieder werden – wie alle anderen – dennoch ab Juli 2005 mehr für den Versicherungsschutz zahlen müssen. Grund ist die Umfinanzierung des Zahnersatzes und des Krankengeldes im Rahmen der Gesundheitsreform. Die 0,9 Beitragspunkte dafür müssen die Mitglieder dann allein bezahlen – derzeit beteiligen sich noch die Arbeitgeber zur Hälfte daran. Zwar zwingt die Regierung die Kassen dazu, den Beitrag zugleich um 0,9 Punkte zu senken. Da auf die Mitglieder davon aber nur die Hälfte entfällt, werden sie mit 0,45 Punkten zusätzlich belastet. Bei der DAK würde die Verteuerung entsprechend geringer ausfallen.

Als einzige große Kasse hat bislang nur die Kaufmännische Krankenkasse KKH eine Senkung angekündigt – von 14,4 auf 14,1 Prozent. Die Barmer Ersatzkasse will erst Mitte 2005 darüber befinden. Die 17 Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) wollen „jede Möglichkeit zur Beitragssatzsenkung nutzen“, haben bislang aber nichts Konkretes beschlossen. Die Techniker Krankenkasse hat bereits entschieden, den Beitrag 2005 bei 13,7 Prozent konstant zu halten. Um mehr Spielraum zu bekommen, sollte der 16-prozentige Zwangsrabatt verlängert werden, den die Pharmaindustrie den Kassen 2004 auf patentgeschützte Medikamente einräumen musste, forderte DAK-Mann Rebscher. Das gesparte Geld werde nicht die Arbeitsplätze der Industrie sichern, sondern allein in Verkaufshilfen im Arzneivertrieb fließen, prognostizierte er.

Günther Sauerbrey, Vorstand bei Merz Pharma und Vizechef des Pharmaverbandes BPI, nannte die Forderung Rebschers „abenteuerlich“. Der Rabatt koste die Branche bis zum Jahresende 1,7 Milliarden Euro und schmälere auch die Gewinne der Unternehmen. Denn für das Marketing müssten sie ungeachtet des Rabatts einen gleichbleibend hohen Betrag zahlen. brö/pet

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