Wirtschaft : Das Bauspargeschäft brummt – aber nicht in Berlin

Stefan Kaiser

Berlin - Die Landesbausparkassen (LBS) profitieren vom ungebrochen starken Wunsch der Deutschen nach einem Eigenheim. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres stieg die Bausparsumme aus Neuverträgen der LBS-Gruppe um rund acht Prozent auf 15 Milliarden Euro. Für das Jahr 2005 steht unter dem Strich ein leichtes Plus von 0,7 Prozent auf 35 Milliarden Euro. Die Zahl der Neuverträge wächst allerdings nicht mehr so schnell wie gewohnt. Im laufenden Jahr schlossen die Kunden bisher gut 600 000 Verträge ab – rund fünf Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. „Das Volumen der einzelnen Verträge ist aber gestiegen“, sagte Hartwig Hamm, Verbandsdirektor der Landesbausparkassen, am Dienstag in Berlin. Mit durchschnittlich 24 000 Euro liege es mehr als 20 Prozent höher als noch vor zwei Jahren. Grund für das ungebrochen gute Geschäft seien die seit zehn Jahren stabilen Immobilienpreise und der Wunsch nach der Sicherheit, in den eigenen vier Wänden zu wohnen, erklärte Hamm.

Berlin liegt bei den neu abgeschlossenen Bausparverträgen weit hinter anderen Bundesländern. Nur in Bremen und dem Saarland wurden im vergangenen Jahr weniger Verträge abgeschlossen. Heruntergerechnet auf die Zahl der Einwohner liegt Berlin allerdings weit abgeschlagen auf dem letzten Platz. „Berlin ist das Bundesland, in dem Wohneigentumsbildung und Bausparverträge eine untergeordnete Rolle spielen“, sagte Hamm. Berlin sei traditionell eine Mieterstadt. Die Wohneigentumsquote liege mit 13 Prozent deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 43 Prozent, erklärte Hamm.

Er appellierte an die Bundesregierung, Wohneigentum in die Förderung der privaten Altersvorsorge einzubeziehen. Union und SPD sollten sich möglichst bis Ende September auf ein gemeinsames Modell verständigen, nur dann könne die zugesagte Neuregelung noch zum 1. Januar 2007 in Kraft treten. Hamm stellte sich dabei hinter das Konzept der Union, das vorsieht, die Riester-Zulage auch zur Finanzierung von Wohneigentum zu gewähren, dabei aber auf eine nachgelagerte Versteuerung zu verzichten.

Die LBS-Gruppe besteht aus elf Landesbausparkassen und ist mit 9,2 Millionen Kunden und einem Marktanteil von knapp 40 Prozent Marktführer in Deutschland. Sie gehört zur Sparkassenfinanzgruppe und beschäftigt rund 5000 Mitarbeiter.

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