Wirtschaft : Das Dollarmonopol einer Papierfirma soll fallen

WASHINGTON (zz/HB).Vor fast zwanzig Jahren haben die Amerikaner für ihren geliebten Dollarschein mit dem Portemonnaie abgestimmt: Sie lehnten die 1979 in Umlauf gekommene Dollarmünze mit dem Bildnis der Frauenrechtlerin Susan B.Anthony ab.Die "Blaustrümpfin" vom Beginn dieses Jahrhunderts, die eine siebeneckige Dollarmünze schmückte, wurde nicht populär.Das Finanzministerium blieb auf den Dollarmünzen mit ihrem Konterfei sitzen.

Nun ist der Streit um eine Dollarmünze von neuem entbrannt.Ihre Propagandisten verweisen auf die wahrscheinliche Umlaufzeit von 30 Jahren, während der Dollarschein, mit dem Kassierer in den Supermärkten richtig "schnalzen" können, durchschnittlich nur elf Monate im Verkehr bleiben kann - dann ist er verschlissen und unansehnlich.Für das Washingtoner Finanzministerium ist der ständige Neudruck der Dollarscheine ein Kostenfaktor.Aber der "Buck" nimmt unbestreitbar weniger Platz in der Geldbörse in Anspruch als eine Münze.

Der politische Kampf "Schein gegen Münze" hat auch einen wirtschaftlichen Hintergrund.Lieferant des amerikanischen Notenpapiers ist seit über hundert Jahren die Firma Crane & Co.aus Dalton / Massachusetts.Crane mußte zwar eine sechsjährige Untersuchung wegen angeblicher Übervorteilung der Treasury erdulden.Aber immer noch ist das Unternehmen der einzige Lieferant des Notenpapiers.Gerade jetzt rechnet Crane mit einem neuen, bis 2002 laufenden und 400 Mill.Dollar schweren Vertrag: Nach den 100-Dollar-Scheinen sollen allmählich alle Noten aus einem neuen, angeblich fälschungs- und kopiersicheren Papier hergestellt werden.Logisch, daß Vorsitzender Lansing Crane sich für den Erhalt der Dollarnote einsetzt.Sein Gegner ist der Kongreßabgeordnete Jim Kolbe, der dem Bewilligungsausschuß des Repräsentantenhauses vorsteht und damit die Kontrolle über das Finanzministerium hat.Kolbe setzt sich für die Neuemission einer Dollar-Münze ein - allerdings nicht ganz uneigennützig.Denn er stammt aus dem Kupferstaat Arizona, und Kupfer wäre ein wesentlicher Bestandteil einer neuen Dollarmünze.

Kolbe will das "Bureau of Engraving and Printing", das im Namen des Finanzministeriums die Geldscheine druckt, zwingen, den Lieferauftrag für das Notenpapier öffentlich auszuschreiben.Seiner Meinung nach gibt es viele wettbewerbsfähige Papierlieferanten: "Das ist kein Herstellungsprozeß wie bei einer F-16 - das können andere auch." Das Finanzministerium müsse eine Genehmigung des Kongresses bei der im Herbst fälligen Vergabe des Auftrags einholen.Aber der Papierlieferant Crane hat wegen seiner hundertjährigen Geschäftsverbindung mit der Notendruckerei auch einen Vorsprung.Der Druck jeder Dollarnote, ob die für einen oder die für 100 Dollar, kostet vier Cents.Davon entfällt nur ein halber Cent auf die Kosten des Papiers.

Doch Crane aus dem Geschäft zu verdrängen, ist nicht einfach.Gemeinsam mit einem Schwesterunternehmen hält die Firma ein Patent auf einen Sicherheitsstreifen in der neuen 20-Dollar-Schein.Der Kopierschutz wurde schon in den achtziger Jahren speziell nach Wunsch der Treasury entwickelt.Selbst wenn Crane den neuen Auftrag zur Lieferung des Notenpapiers nicht erhält, ist das Patent nicht ohne Wert: Ein neuer Papierhersteller müßte eine Lizenz auf jeden Geldschein zahlen, der mit dem Sicherheitsstreifen versehen wird.

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