Wirtschaft : Das Ende einer Epoche

Mit der Übernahme von Elf durch Total-Fina geht eine Epoche zu Ende: Kaum ein anderer Konzern war so eng mit der französischen Außenpolitik verknüpft wie Elf. Ex-Staatspräsident Charles de Gaulle misstraute der alten Ölfirma Total, wollte eine von den anglo-amerikanischen Giganten unabhängige Ölversorgung aufbauen und die einstigen afrikanischen Kolonien ans Mutterland binden. Deswegen gründete der französische Staat 1965 eigens Erap, die spätere Elf-Aquitaine. Die Einflussnahme der Regierung erfolgte über persönliche Beziehungen, aber auch über direkte Lenkung. Ziel war die Zurückdrängung des amerikanischen Einflusses. An die Spitze von Elf berief de Gaulle einen ehemaligen Geheimdienstmann des französischen Widerstandes, Pierre Guillaumat. Elf baute ein Geflecht aus Seilschaften auf, in dem wirtschaftliche Interessen, Geheimdienstaktivitäten und Militärinterventionen untrennbar zusammenspielten. Das westafrikanische Gabun wurde zum Eckpfeiler des afrikanischen Imperiums. Elf verhalf 1966 in Gabun dem Präsidenten Omar Bongo zur Macht. Der revanchierte sich mit niedrigen Steuern und dem Fernhalten der Konkurrenz. Von hier aus wurden Ölfelder in Kongo, Kamerun, Angola und Nigeria erschlossen. In Gabuns Hauptstadt Libreville schuf Elf zweifelhafte "Investitionsfonds", die vor allem einen Zweck hatten: schwarze Konten in Luxemburg, Liechtenstein und der Schweiz zu füllen. Mit dem Geld wurden alle bedacht, die dem Geschäft zuträglich waren: Ölprinzen, afrikanische Potentaten, französische Abgeordnete und kommunistische Gewerkschaften. Insgesamt ermittelte die französische Justiz gegen rund 20 einstige Elf-Mitarbeiter.

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