Wirtschaft : Das Geschäft mit der Angst

Wie die Deutsche Bank mit ihrer Werbung die Kunden erschreckt

Dagmar Rosenfeld

Berlin - Eigentlich wollte Anne B. nur prüfen, ob die Überweisung eingegangen war, als sie am Dienstagvormittag in der Filiale der Deutschen Bank am Berliner Hardenbergplatz ihre EC-Karte in den Kontoauszugsdrucker steckte. Was sie dann aber auf dem Papier las, dass der Automat ausspuckte, „war ein Schock“, sagt sie. „Ihr Lebensstandard ist gefährdet – Ihre Kredite und das Vermögen Ihrer Familie stehen auf wackeligen Füßen. Die aktuellen Gesetzesänderungen zwingen zum schnellen Handeln“, stand da auf der letzten Seite, der Anlage zum Kontoauszug. Und dann zwei Namen mit Telefonnummern von Beratern ihrer Deutschen-Bank-Filiale in Neukölln. „Ich habe richtig Angst gekriegt, weil ich dachte, irgendetwas mit meinen Finanzen stimmt nicht“, sagt Anne B., die sich gerade erst selbstständig gemacht hat.

Was für Anne B. im Nachhinein „das Letzte“ ist, ist für die Deutsche Bank „ein werbliches Instrument“. Denn die „Kundenansprache“ auf dem Kontoauszug beziehe sich nicht auf die persönliche finanzielle Situation des Kontoinhabers, sondern sei eine Art Werbetext. „Wenn auch kein besonders gelungener“, wie ein Sprecher der Deutschen Bank einräumt. Deswegen habe man am heutigen Dienstag diese Ausdrucke auch wieder aus dem Verkehr gezogen.

Gerade noch rechtzeitig. Denn für Verbraucherschützer sind die Werbemethoden des Kreditinstituts „durchaus abmahnfähig“. „Was die Deutsche Bank hier gemacht hat ist unzulässige Panikmache“, sagt Hartmut Strube, Finanzjurist bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Durch Verunsicherung der Kunden das Geschäft ankurbeln zu wollen, sei nicht zulässig. „Ich bin schon sehr verwundert, dass die Deutsche Bank das jetzt schon nötig hat“, sagt Strube.

Aber die bei der Deutschen Bank haben es offenbar nur gut gemeint, als sie sich diesen Text ausgedacht haben. Danach klingt zumindest die Begründung des Bank-Sprechers: „Wir wollten die Kunden auf die gesetzlichen Änderungen in der Altersvorsorge, wie etwa die geplante Rentenbesteuerung, hinweisen und aufrütteln“, sagte er. Und damit der Hinweis auch wirklich ankommt, greift die Bank ganz offensichtlich auch gerne mal zu drastischen Formulierungen. „Die Menschen sind doch ohnehin wegen der Reformpolitik der Regierung unsicher“, sagt Anne B. Aus dieser Angst noch Profit schlagen zu wollen, das findet sie „sittenwidrig“.

Die markanten „Warn-Hinweise“ auf der Anlage zum Kontoauszug haben allerdings nicht alle Kunden der Deutschen Bank erhalten. „Normalerweise werden die Texte für die Beileger flächendeckend eingerichtet“, sagt der Deutsche-Bank-Sprecher. In diesem Falle seien sie aber nur in Berlin, und auch nur in einigen Filialen zum Einsatz gekommen. Hört sich fast so an, als habe das Kreditinstitut einen Testballon starten wollen, ob sich mit ein wenig drastischer formulierten Werbetexten nicht die ein oder andere Geldanlage besser verkaufen lässt. Das bestreitet die Deutsche Bank natürlich. Aber warum sie die Beileger nur in einigen Filialen verwertet hat, und nach welchem Prinzip diese Filialen ausgesucht worden sind, das konnte der Sprecher nicht sagen.

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