Wirtschaft : Das Geschäft mit der Riester-Rente lahmt

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Die deutschen Versicherer schließen eine erneute Diskussion über eine Riester-geförderte Zwangsrente noch in diesem Jahr nicht aus. Denn die Versicherungswirtschaft sei mit der Zahl der bislang abgeschlossenen Riester-Verträge unzufrieden, sagte Gerhard Rupprecht, Vorstandsvorsitzender der Allianz Lebensversicherungs AG, am Dienstag in München. Von den 26 Millionen Arbeitnehmern, die Anspruch auf die Riester-Förderung haben, hätten bisher erst 1,5 Millionen einen Riester-geförderten privaten Altersvorsorge-Vertrag unterschrieben. "Wenn die Rentenreform ein Erfolg werden soll, bedarf es in den nächsten neun Monaten enormer Anstrengungen", warnte Rupprecht. Eine Zwangsversicherung, wie sie zu Beginn der Debatte über die Förderung der privaten Vorsorge diskutiert worden war, lehnte er jedoch ab.

Wegen der aufwendigen Beratungen bei der Riester-Rente hat die Branche im vierten Quartal des vergangenen Jahres weniger Beiträge eingenommen als ursprünglich erwartet. Statt eines geschätzten Beitragswachstums von drei Prozent konnten die Lebensversicherer im vergangenen Jahr ihre Beitragseinnahmen nur um 1,9 Prozent auf 62 Milliarden Euro erhöhen. Verglichen mit der klassischen Rentenversicherung, bei der die durchschnittlichen Monatsbeiträge bei 108 Euro liegen, zahlen Riester-Kunden im Schnitt nur einen Eigenbetrag von 16 Euro.

Sorge bereitet den Versicherern auch das jüngste Rentenurteil des Bundesverfassungsgerichts. Zwar begrüßt die Branche die Pläne der Regierung, künftig Rentenbeiträge steuerfrei zu stellen und dafür die Renten zu besteuern, doch könnte das auch Konsequenzen für die Kapitallebensversicherung haben. Nicht auszuschließen ist, dass hier jetzt erneut die Steuerfreiheit der Kapitalerträge in Frage gestellt wird. Bislang gilt: Bei kapitalbildenden Lebensversicherungen, die länger als zwölf Jahre laufen, sind die Kapitalerträge bei der Auszahlung steuerfrei.

Auch für Autofahrer könnten sich die Bedingungen in den nächsten Jahren verschlechtern. Als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September wollen sich die Kfz-Versicherer von der unbeschränkten Haftung in der Autohaftpflicht verabschieden. Statt dessen soll schon für Neuverträge in diesem Jahr eine Deckelung eingeführt werden. Wahrscheinlich ist eine Haftungsbeschränkung auf 50 Millionen Euro pro Schadensereignis. Nach vier bis fünf Jahren sollen dann alle Verträge umgestellt sein, kündigte Bruno Gas, Vorsitzender der Schadensabteilung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), an. Die Autoversicherung hat auch 2001 im versicherungstechnischen Geschäft wieder rote Zahlen geschrieben. Die Haftpflichtsparte machte einen Verlust von 600 Millionen Euro, die Vollkasko von 100 Millionen Euro. Nur die Teilkaskoversicherung konnte im Versicherungsgeschäft einen Gewinn von 200 Millionen Euro erwirtschaften.

Als weitere Konsequenz aus den Anschlägen vom 11. September arbeitet die Branche an der Einrichtung spezieller Terrorversicherungen. Die Allianz wird bald über ihre Tochter in Luxemburg einzelnen Industriekunden eine Versicherung anbieten, mit der Terrorschäden bis zu 250 Millionen Euro versichert werden können. Um noch größere Katastrophen abzudecken, bastelt der GDV an einer Branchenlösung. Versichert werden soll - unter Berücksichtung deutscher und europäischer Rückversicherer - eine Schadenssumme von drei Milliarden Euro über einen Versicherungspool. Schäden, die darüber hinaus gehen, soll der Staat tragen. Die Verhandlungen mit der Bundesregierung stünden vor dem Abschluss, sagte GDV-Präsident Bernd Michaels. Das Bundesfinanzministerium (BMF) bestätigte, man sei "sehr guter Hoffnung", die Gespräche in den nächsten Tagen abzuschließen.

Die Beitragseinnahmen erhöhten sich im Jahr 2001 nur noch um 2,8 Prozent (2000: 3,2 Prozent) auf 135,5 Milliarden Euro, und die Ausgaben für die Versicherungsleistungen stiegen um 3,5 Prozent (2000: 2,7 Prozent) auf 158,3 Milliarden Euro. Wegen des hohen Anteils festverzinslicher Kapitalanlagen konnte die Branche ihre Kapitalerträge im vergangenen Jahr trotz der Börsenflaute aber auf 48,174 Milliarden Euro (2000: 47,558 Milliarden Euro) erhöhen.

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