Wirtschaft : Das große Fressen hat begonnen

CORINNA VISSER

Seit die Deutsche Telekom vergangene Woche ihre Kapitalerhöhung für den Frühsommer angekündigt hat, kursieren die wildesten Spekulationen.Was macht die Telekom mit dem Geld? Wo wird sie einkaufen gehen? Gut unterrichtete Kreise sprechen von Verhandlungen mit der britischen Cable & Wireless, der amerikanischen Sprint und Telecom Italia.Jetzt bestätigt die Telekom ausgerechnet die Partnerschaft, die eigentlich am unwahrscheinlichsten klang.Aus einer Fusion der größten und der viertgrößten europäischen Telefongesellschaft entstünde ein Branchenriese mit einem Börsenwert von rund 400 Mrd.DM, der sehr nah an den weltgrößten Telekommunikationskonzern AT & T herankäme.

Allerdings kaum vorstellbar, daß der europäische Gigant auch die gleiche Schlagkraft haben wird wie die Amerikaner.Mal ehrlich, eine Fusion aus zwei ehemaligen Staatsbetrieben, von denen besonders der eine (der italienische) als strukturschwach gilt, was soll dabei herauskommen? Und man stelle sich vor: 124 000 Italiener und 179 000 Deutsche arbeiten gemeinsam in einem Unternehmen.Eine wahre Herkules-Aufgabe, die beiden Unternehmenskulturen zu verbinden.Die Italiener haben auch schon deutlich zu verstehen gegeben, daß sie sich von den Deutschen keinesfalls bevormunden lassen werden.

Das große Fressen bei den Telefongesellschaften hat begonnen.Aber nicht da, wo es am ehesten erwartet wurde.Auf dem deutschen Markt hat bisher nur Mannesmann Arcor Otelo übernommen.Mannesmann stärkte damit seine Position als schärfster Herausforderer der Telekom.Die deutsch-italienische Fusion würde im Gegenzug Mannesmanns Expansionspläne in Italien durchkreuzen.Gelingt es Telecom Italia nämlich mit dem deutschen Partner, die Übernahme von Olivetti abzuwehren, kann Mannesmann nicht wie geplant die bisherigen Telekom-Aktivitäten Olivettis übernehmen.Ein Rückschlag für Mannesmann.

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