Wirtschaft : Das große Werben um Kunden und Aktionäre

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Privatkunden, die früh zeichnen, erhalten beim Börsengang einen Rabatt von drei Euro pro Aktiedri/mm/som

In 18 Ländern der Erde wirbt die Deutsche Telekom AG um neue Aktionäre. Die Geschichte, die Telekom-Chef Ron Sommer zum Beginn der Zeichnungsfrist erzählt, richtet sich jedoch an die Kunden in Deutschland. "Wir wollen Deutschland den Weg zur Breitbandnation im Internet ebnen", kündigte Sommer am Dienstag auf einer Pressekonferenz an. Die DSL-Technik, mit der ein gewöhnlicher Telefonanschluss zur Datenautobahn hochgerüstet werden kann, will Sommer bis Ende 2001 flächendeckend in Deutschland anbieten. Bis Ende dieses Jahres soll diese Technik nicht wie bisher geplant in 200, sondern in 600 Städten einsetzbar sein. Für eine Monatsgebühr von 69 Mark will Sommer einen kombinierten ISDN-DSL-Anschluss anbieten. Hinzu kämen die Minuten-Gebühren fürs Telefonieren und für die Online-Nutzung oder ein Internet-Pauschaltarif.

In Zugzwang geraten Unternehmen, die ihre eigene Ortsnetz-Infrastrukturen aufbauen, um das dort noch existierende Monopol der Telekom zu knacken: Ihre Margen werden durch die neuen Telekom-Preise enger. Die Telekom will außerdem über DSL-Anschlüsse neue Multimedia-Angebote vermarkten. Nicht nur das Festnetzgeschäft soll so wieder lukrativer werden, sondern auch T-Online mehr Kunden bekommen. Heute haben etwa 40 000 Kunden einen DSL-Anschluss, täglich kommen laut Sommer 3000 Neukunden hinzu.

Anlässlich der am heutigen Mittwoch beginnenden Zeichnungsfrist für 200 Millionen T-Aktien, die der Bund über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) am 19. Juni über die Börse verkauft, versprach Sommer den Frühzeichnern unter den Privatkunden einen Bonus von drei Euro auf den Ausgabekurs, wenn sie bis zum 9. Juni Aktien zeichnen. Der Kurs wird auf Basis des letzten Schlusskurses vor dem 19. Juni festgesetzt. Außerdem gibt es - wie beim ersten Börsengang - Treueaktien im Verhältnis eins zu zehn für Aktionäre, die ihre Papiere bis 31. Dezember 2001 halten. Der Gewinn daraus muss versteuert werden.

Die nicht an der Emission beteiligten Bankhäuser beurteilen die Aussichten der Aktie überwiegend skeptisch. Der fundamentale Ausblick ist aus Sicht von Independent Research "wenig ermutigend". Für die Ersteigerung der neuen UMTS-Mobilfunklizenz müsse die Telekom viel Geld ausgeben. Darüber hinaus werde das Ergebnis durch den Konzernumbau, den scharfen Wettbewerb im Festnetz und zunehmenden Druck auf die Margen im Mobilfunk belastet. Vor diesem Hintergrund lautet der Rat von Independent Research: "Untergewichten". Analyst Marcus Schmitz vom Bankhaus Hauck & Aufhäuser teilt zwar die Kritik, sieht die Lage aber nicht ganz so negativ. Allein die Töchter T-Mobil und T-Online kämen derzeit auf einen Wert von 130 Milliarden Euro. Deshalb sei eine Marktbewertung der Telekom mit rund 170 Milliarden Euro durchaus realistisch. Schmitz sieht die T-Aktie "eher neutral". Klaus Nieding, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) empfiehlt die Zeichnung. Die Aktie werde davon profitieren, dass Fonds in das Dax-Schwergewicht investieren müssten. Eine Erfolgsstory wie in den vergangenen Jahren werde die Telekom aber nicht mehr schreiben. Probleme sieht Nieding vor allem im Auslandsgeschäft: "Ron Sommer hat sich bislang nur als Ankündigungsweltmeister profiliert, die Telekom aber international noch nicht aufgestellt." Die Telekom drohe zum Regionalanbieter zu werden.

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