Wirtschaft : Das günstigste Angebot muß nicht auch das beste sein

KLAUS KURPJUWEIT

BERLIN/ATHEN .Der Countdown für den Ausbau des Flughafens Schönefeld läuft.Am 4.September endet die Frist zur Angebotsabgabe der beiden Konsortien, die den künftigen Alleinflughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) finanzieren und betreiben wollen.Ob der Vertragsabschluß, wie angestrebt, am 1.Oktober erfolgen kann, ist dagegen offen.Beide Angebote werden sich nach Ansicht von Fachleuten nicht direkt vergleichen lassen.Das auf den ersten Blick bessere, weil für die öffentliche Hand billigere Angebot könne sich am Ende bei einer falschen Bewertung der Angebote doch als das teurere erweisen.Ausschlaggebend sei am Ende, wie die Risiken aufgeteilt werden.Im Rennen sind noch die Hochtief Airport GmbH zusammen mit ABB Color GmbH Schaltanlagen AG und der Flughafen Frankfurt (Main) AG sowie die IVG Holding AG, die sich mit der Flughafen Wien AG, der Dorsch Consult AG, der Dresdner Bank und der Commerzbank verbunden hat.

Die IVG-Gruppe, eine vom Bund privatisierte Immobilien-Holding, hat sich bereits bei der Standortdiskussion für den Flughafen BBI von Anfang an für Schönefeld eingesetzt und mehrere Konzepte präsentiert.Dabei ging sie zunächst davon aus, daß der mit 6 bis 8 Mrd.DM veranschlagte Ausbau ohne öffentliche Zuschüsse realisiert werden könnte.Dies gilt heute als ausgeschlossen.

Hochtief Airport GmbH hielt sich bei der Standortfrage zurück und stieg ins Bieterverfahren erst ein, als sich die Gesellschafter der Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBI) für Schönefeld und gegen Sperenberg entschieden hatten.Hochtief wirbt damit, daß das Unternehmen bereits Erfahrungen im Flughafen-Bau habe.In Athen errichtet Hochtief derzeit einen neuen Flughafen, den das Unternehmen dann zusammen mit dem griechischen Staat betreiben wird.An der Flughafen-Gesellschaft Athen Spata ist das Hochtief-Konsortium, zu dem noch ABB, Krantz-TKT und die Flughafen Frankfurt (Main) AG gehören, zu 45 Prozent beteiligt.

Die Gesamtkosten des neuen Athener Flughafens sind mit 4,125 Mrd.DM veranschlagt.Die Baukosten in Höhe von 3,204 Mrd.DM werden dabei von Hochtief garantiert.Die Anlage mit zwei Start- und Landebahnen, einem Terminal und einem zusätzlichen Satelliten-Gebäude soll innerhalb von 51 Monaten erstellt werden.Geplanter Eröffnungstermin ist der April 2001.

In Schönefeld sollen die Bauarbeiten nach den Vorstellungen der BBF im Jahr 2002 beginnen.2007 soll der Flughafen BBI fertig sein.Ursprünglich war vorgesehen, daß die öffentliche Hand 25,1 Prozent der Holding-Anteile behalten sollte, inzwischen geht man - anders als in Griechenland - von einer hundertprozentigen Privatisierung aus.Allerdings sollte Hochtief unter der konservativen Regierung auch in Athen die Mehrheit der Flughafengesellschaft erwerben.Nach einem Regierungswechsel setzten die Sozialisten dann aber die Staats-Mehrheit durch.

Erster Abgabetermin für die Schönefeld-Bieter war der 2.Juni.Dabei hatte sich allerdings herausgestellt, daß die Zahlen nicht vergleichbar waren.Klar war nur, daß der Bau nicht ohne staatliche Zuschüsse möglich sein wird.Weil den öffentlichen Kassen jedoch das Geld fehlt, entschied man sich, die Lücke über Flughafen-Gebühren zu finanzieren, die auch in Tegel und Tempelhof erhoben werden sollen.Nach Angaben von Verkehrsminister Matthias Wissmann sind 10 bis 20 DM im Gespräch.In Griechenland zahlen die Passagiere etwa 40 DM.In Athen fließen davon 65 Prozent in den Bau des neuen Airports, die anderen Flughäfen finanzieren mit den Gebühren den Ausbau ihrer Anlagen.

Die Höhe der Gebühren für Schönefeld müssen die Bieter in ihren Konzepten kalkulieren.Mitentscheidend bei der Vergabe ist unter anderem aber auch die Höhe des eingesetzten Eigenkapitals und damit die Risikobereitschaft des Bewerbers.

Daß das auf dem Papier zunächst günstigste Angebot am Ende nicht zwangsläufig auch das beste sein muß, zeigt der Bau des Kanaltunnels.Den Zuschlag erhielt eine britische Gruppe mit dem zunächst geringsten Subventionsbetrag.Inzwischen fordert sie rund 1 Mrd.DM nach.Die unterlegenen Bewerber, zu denen auch Hochtief gehörte, wollen nun wegen der Vergabe die britische Regierung verklagen.Es sei von Anfang an klar gewesen, daß das ausgewählte Angebot unrealistisch war, sagt das Hochtief-Vorstandsmitglied Wolfhard Leichnitz.

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