Wirtschaft : Das Handy wird zum Gameboy

Dagmar Rosenfeld

Ein verbissener Gesichtsausdruck, hektisches Klicken auf der Tastatur, lautes Fluchen oder freudige Siegesschreie - Verhaltensauffälligkeiten, die bei Besitzern von Mobiltelefonen in jüngster Zeit häufiger zu beobachten sind. Seit die Mobilfunkanbieter das "Kind im Handybesitzer" entdeckt haben, greift der Spielvirus um sich: Wer einmal infiziert ist, kommt so schnell von der Handytastatur nicht mehr los. Dinosaurier müssen gejagt, Piratenschiffe versenkt und knifflige Fragen gelöst werden - natürlich alles per Tastenklick.

Das größte Angebot an Handygames gibt es bei D 2-Vodafone. Ob via SMS, WAP oder Internet - dem Spieltrieb sind fast keine Grenzen gesetzt. Auf der Internetplattform D 2-Load-A-Game stehen sieben Abenteuer- und Strategiespiele zur Auswahl, die auf das Handy heruntergeladen werden können. Allerdings verfügen derzeit nur vier Modelle über die zum Spielen notwendige Technik: die Mobiltelefone Azalis 288 und Xenium 9@9 von Philipps, das Trium Neptune von Mitsubishi sowie das Sagem MW 3026.

Der Renner ist Jurassic Park III

Das Herunterladen der Spiele funktioniert kinderleicht: Im Handymenü einfach den Bereich "Spiele", und dann den Unterpunkt "D 2-Spiele" anklicken. Anschließend muss nur noch das gewünschte Handygame markiert werden und schon wird eine Verbindung zur D 2-Inernetplattform aufgebaut. Nach etwa zwei Minuten ist der Ladevorgang beendet. Das ausgewählte Spiel wird automatisch unter dem Menüfeld "Meine Spiele" abgelegt. Der Spaß kostet pauschal pro Handygame 4,95 Mark. Dafür kann dann gespielt werden bis die Fingerkuppen rot werden. "Der Renner unter unseren Handygames ist Jurassic Park III", sagt Christian Schwolow von D 2-Vodafone. Der Spieler irrt durch ein Labyrinth und muss sich vor Dinosaurier-Angriffen aus der Luft schützen. Echte Profis können per SMS für 39 Pfennig ein weiteres Spiele-Level mit höherem Schwierigkeitsgrad anfordern.

Nach den PC-Spielen erobern jetzt die Handygames den Markt. Bereits im Jahr 2003 sollen die Spiele fürs Mobiltelefon weltweit für Umsätze von mehr als 1,6 Milliarden Dollar sorgen, heißt es in einer Studie des Marktforschungsinstituts Datamonitor. In Westeuropa würden dann 200 Millionen Menschen - das sind 80 Prozent aller Mobilfunkteilnehmer - ihr Handy als Spielkonsole für unterwegs benutzen. Die Unternehmensberatung Gartner G2 prophezeit, dass die Handyspiele langfristig sogar dem Gameboy von Nintendo Marktanteile abjagen werden. "Das bringt den Gameboy nicht um, aber es wird Nintendo weh tun", sagt Gartner-Berater Adam Daum.

Doch noch ist D 2-Vodafone der einzige Mobilfunkanbieter in Deutschland, der eine eigene Plattform mit Spielen zum Herunterladen betreibt. Die Handygames von E-Plus, Viag Interkom und T-Mobil funktionieren nur über WAP- und SMS-Dienste. Der Nachteil: Die Bildauflösungen und die Animationen auf dem kleinen Handydisplay sind von schlechter Qualität. Deshalb verknüpfen einige Anbieter das Mobiltelefon mit dem Internet: Mit dem Handy wird gespielt und im Internet gibt es dann die dazugehörigen Flash-animierten Bilder.

Auf der Internetseite von Viag Interkom ( www.viaginterkom.de ) kann beispielsweise ab Ende November der Film zum alljährlichen Weihnachtsspiel abgerufen werden. Inhalt: Das Weihnachtsfest ist in Gefahr, weil böse Mächte Santa Claus das Leben schwer machen. Nur die Viag-Interkom-Kunden können jetzt noch helfen und die einzig wirksame Waffe gegen das Böse ist ihr WAP-Handy. Wer die Fragen korrekt beantwortet und die richtigen strategischen Entscheidungen trifft, beschert dem Weihnachtsmann ein Happy End.

Kunden von D 2-Vodafone können bei ihrem Mobilfunkanbieter einen virtuellen Spielkameraden bestellen, der im Handy sein Quartier aufschlägt. Einfach eine SMS an die Nummer 5 55 55 schicken und der D 2-Zoing wird zu Ihrem ständigen Begleiter. Klar, dass der Zoing viel Zuwendung braucht, regelmäßig seine Mahlzeiten verlangt und natürlich in den Schlaf gewiegt werden will. Seine Rechte fordert er per Kurzmitteilung, die auf dem Handydisplay erscheint. Zu Gesicht bekommen Zoing-Besitzer ihren neuen Freund allerdings nur auf der Internetseite von D 2-Vodafone ( www.d2vodafone.de ).

T-Mobil holt das Kinoabenteuer "Herr der Ringe" aufs Handydisplay. Der Spieler erhält eine Kurzmitteilung, in der ein Teil der Geschichte von J. R. Tolkien über Mittelerde und den Kampf um den Zauberring erzählt wird. Drei Möglichkeiten werden vorgegeben, wie die Geschichte weitergehen soll. Hier sind strategisches Denken und Fantasie gefragt, um den Hobbits und Zwergen zum Sieg zu verhelfen.

Knifflige Fragen für Quizfans

Nicht nur abenteurlustige, sondern auch quizbegeisterte Mobiltelefonierer kommen voll auf ihre Kosten. Bei E-Plus beispielsweise können Handybesitzer ihr Wissen in unterschiedlichen Gebieten wie Sport, Film und Musik testen. Einfach eine SMS mit dem Kürzel für die gewünschte Kategorie an die Nummer 1001 senden. Die Kürzel sind auf der Homepage von E-Plus ( www.e-plus.de ) nachzulesen. Pro Quizspiel müssen zehn Fragen beantwortet werden. Per SMS werden die einzelnen Frage zusammen mit vier Lösungsvorschlägen aufs Handydisplay geschickt. Der Spieler sendet seine Antworten dann kostenfrei an die E-Plus-Nummer 1001. Für jede empfangene SMS müssen allerdings 29 Pfennig bezahlt werden. Eine komplette Quizrunde mit zehn Fragen kostet also fast drei Mark.

Trotz aller Spielfreude sollte daher nicht vergessen werden: Die Nutzung der SMS- und WAP-Dienste für die Handygames kann dem Nutzer spielend schnell so manchen Schein aus der Geldbörse ziehen.

WAP: steht für "Wireless Applikation Protocol", einen Dienst für die Datenübermittlung in Mobilfunksystemen. Mit WAP können speziell aufbereitete Informationsangebote aus dem Internet mit dem Handy abgerufen werden, obwohl diese meist nur über kleine Displays verfügen.

SMS: steht für "Short Message Service" den Kurznachrichtendienst der Mobilfunkanbieter. Damit können Textbotschaften - leider nur bis zu 160 Zeichen - von einem Handy zum anderen oder auch ins Festnetz geschickt werden. Leistungsfähigere Systeme stehen bereits in den Startlöchern.

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