Wirtschaft : Das Millionengeschäft mit den Schnäppchenjägern

GEORG WEISHAUPT (HB)

Die Handelskette Strauss liegt mit 13 000 DM Umsatz pro Quadratmeter weit über dem Durchschnitt der gebeutelten TextilbrancheVON GEORG WEISHAUPT (HB)

DÜSSELDORF.Es sieht aus wie auf einem Basar: Quark-Küchlein in Klarsichtfolie für 2,20 DM liegen direkt neben T-Shirts im Dreier-Pack für 20 DM.Daneben warten Metall-Körbchen-Sets für 60 DM und gegenüber Terminplaner in "weichem Nappa" für 29 DM auf Kundschaft.Hinter der auf den ersten Blick chaotischen Warenpräsentation steckt Methode."Wir wollen den Kunden gezielt zum Stöbern und spontanen Kauf animieren", erläutert Peter Geringhoff, der 58jährige Erfinder des ungewöhnlichen Handelskonzepts und Geschäftsführer der Strauss Innovation GmbH. Die Kunden sind voll auf Schnäppchen-Kauf eingestellt."Was können Sie denn heute empfehlen?", fragt eine Dame mittleren Alters im Strauss-Laden in der Düsseldorfer Altstadt, während sie sich bereits in alle Richtungen umschaut.Die Kassiererin der größten Filiale der Strauss-Kette (43 Läden) zählt auf: "Vielleicht ein Parfüm oder leckere Trüffelpralinen?" Nein.Die Kundin entscheidet sich für Frottee-Handtücher, die sie soeben neben der Eingangstür entdeckt hat. Sie ist genau der Typ, der zu Geringhoffs Zielgruppe gehört: "Der aufgeklärte Mensch des 20.Jahrhunderts mit eigenem Geschmack." So lautet seine etwas abgehobene Definition für modebewußte Männer und Frauen, die immer wieder einmal bei Strauss hineinschauen, auf der Jagd nach Kleidung, Pasta oder Gartenbänken zu niedrigen Preisen.Regelrechtes Schlußverkaufs-Gedränge entsteht, wenn Strauss in Zeitungsannoncen wieder einmal Designer-Kleidung von Modefürsten wie René Lezard oder Joop zur Hälfte oder einem Drittel des Originalpreises verhökert. Wie kommt Geringhoff an die Ware heran? "Zum Beispiel über Agenten, die Kollektionen aufkaufen und uns anbieten." Es handele sich aber um Auslaufware, die die Modefirmen loswerden müßten, um Platz zu schaffen, hält er aufgeregten Kritikern entgegen.Der Ärger ist nämlich programmiert, wenn die Mode-Stars nichts davon wissen, daß ihre Edel-Kleidung in Strauss-Läden zum Spottpreis verramscht wird.Vielfach arbeitet der passionierte Verkäufer mit 37 Jahren Strauss-Erfahrung mit bekannten Markenartiklern zusammen.So fertigt "einer der fünf besten Hersteller von Designer-Hemden in Italien" für Strauss.Aus Geringhoffs Sicht profitieren beide Seiten von dem Deal.Der Lieferant senkt seine Fertigungskosten durch die größere Stückzahl.Und Strauss erhält Ware in guter Qualität zu günstigen Preisen.Designer- und Strauss-Hemden unterscheiden sich nur durch Schnitt und Logo. Solche Produktionen sollen das Image von Eigenmarken wie "Jan Paulsen" oder "Cable Car Clothiers" aufpolieren.Schließlich verkauft Geringhoff etwa Unterwäsche und Jeans mit den selbstkreierten Labels nicht nur in den Strauss-Läden, sondern auch an "befreundete Unternehmen".Dazu gehören etwa 60 Einzelhandelsfirmen, die über eine Firma, die Innovations-Club Handelsgesellschaft, allein 1997 Ware im Gesamtwert von rund 450 Mill.DM bezogen. Aber auch das Strauss-Konzept ist kein Garant für einen dauerhaften Erfolg.So räumt Geringhoff für 1997 ein "leichtes Umsatzminus" ein, wobei die Entwicklung der einzelnen Sortimente "von minus 10 Prozent bis plus 20 Prozent" schwanke.Für das Jahr zuvor gibt er ein Geschäftsvolumen von 312 Mill.DM an.Selbst für den einstigen Shooting-Star der Textilbranche scheinen die Bäume nicht in den Himmel zu wachsen.Zwar schaffte Geringhoff von 1991 bis 1993 den Sprung von 232 auf 306 Mill.DM Umsatz.Doch pendelt seitdem das Geschäftsvolumen zwischen rund 300 und 312 Mill.DM.Das ist zumindest den früheren Äußerungen des Strauss-Machers zur Geschäftsentwicklung zu entnehmen.Dennoch liegt er mit etwa 13 000 DM Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche immer noch weit über dem Durchschnitt des gebeutelten Textileinzelhandels: Seine Konkurrenten kommen nach Angaben ihres Bundesverbandes nur auf rund 4500 DM pro Quadratmeter.

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