Wirtschaft : Das Reiswein-Debakel

Aus dem Wall Street Journal[übersetzt],ge

Vergangene Woche liefen in den Nachrichtensendungen Taiwans Bilder von Hausfrauen in langen Schlangen, die eine der wichtigsten Zutaten ihrer Küche kaufen wollten - Reiswein. Die Geschäfte bestellten Notlieferungen, um mit der Nachfrage Schritt zu halten. Die Glücklichen, die große Mengen kaufen konnten, schleppten die Flachen nach Hause - zu ihren gehamsterten Vorräten. Was geht da vor? Hat China eine Seeblockade gegen Taiwan verhängt?

Nein, es geht nur um den Beitritt Taiwans zur Welthandelsorganisation (WTO). Der Sturm auf den Reiswein ist ein warnendes Beispiel für die Zweischneidigkeit von WTO-Klassifikationen. Als Teil des WTO-Beitritts musste die Regierung Taiwans ihr Monopol auf Reiswein aufgeben und den Markt öffnen. Das ist an sich positiv und sollte zu fallenden Preisen führen. Aber um Preisverzerrungen für Importe auszugleichen, bestanden die USA und die EU darauf, dass Reiswein mit hochprozentigen Destillaten, die man trinken kann, gleichbehandelt werden sollte. Obwohl Reiswein vor allem zum Kochen verwendet wird. Trotzdem wird er jetzt mit dem gleichen Satz wie Wodka besteuert. Der Kochwein kostet heute soviel wie Essig oder Sojasauce, etwa 0,61 Dollar je 0,6-Liter-Flasche. Die Steuer dürfte den Preis in den nächsten zwei Jahren um 500 Prozent steigen lassen. Daher die Vorratshaltung.

Die Regierung hat Reiswein nun rationiert. Jeder Käufer muss seine Haushaltsregistrierung vorweisen und darf nur sechs Flaschen erwerben. Nur Mütter von Neugeborenen dürfen mehr kaufen. Und es wird hohe Strafe für die geben, die billig erworbenen Wein nach der Steueranhebung teuer weiterverkaufen. Das alles mag als ein niedriger Preis für den WTO-Beitritt Taiwans erscheinen. Der eigentliche Skandal besteht jedoch darin, dass die Reiswein-Angelegenheit mehr als fünf Jahre verhandelt wurde, ohne dass es die Unterhändler bei der WTO geschafft hätten, zwischen unterschiedlichen Produkten auch zu unterscheiden, anstatt sie einfach in einen Topf zu werfen. Manchmal kann die Haarspalterei der WTO unerträglich sein, besonders wenn Länder sie als Mittel für eigenen Protektionismus nutzen. In diesem Fall hätte ein kurzes Nachdenken über die lokalen kulinarischen Eigenheit den Wettbewerb weitergebracht.

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