Wirtschaft : Das schnelle Geld ist unwiderstehlich

DANIEL RHEE-PIENING

Mit den Maßstäben eines "konservativen", soliden Anlegers läßt sich der Neue Markt schon seit seinem Beginn nicht messen. Und so fehlten den professionellen Beobachtern am Donnerstag - angesichts von Kurssteigerungen um 40 Prozent und mehr - denn auch die üblichen Erklärungen. In diesem Marktsegment gelten nicht die Regeln vom Kurs-Gewinn-Verhältnis oder der Dividende je Aktie. Denn Dividenden werden von vielen Unternehmen, deren Aktien am Neuen Markt notiert werden, noch gar nicht gezahlt. Eine Ausschüttung wird bestenfalls für das kommende Jahr in Aussicht gestellt. Doch dies stört die Käufer wenig. Sie wollen keine dauerhafte Beteiligung an einem Unternehmen, sie handeln nicht mit erreichten Werten sondern mit Zukunftschancen. Daher verwundert auch nicht der anfängliche Run auf Neuemissionen - egal, aus welcher Branche das Unternehmen kam, das da an die Börse ging. Triebfeder der Kaufentscheidung war die Hoffnung auf einen schnellen Gewinn.Da fällt jedes Gerücht, und sei es noch so vage, auf fruchtbaren Boden. Dies besonders, wenn der Markt keine klare Richtung zeigt und die Anleger mühsam nach Gesprächsthemen suchen. Jetzt wittern die Spekulanten bei den Medienwerten ihre Chance. Ihre kurzfristige Chance wohlgemerkt, denn um eine langfristige Geldanlage geht es nur wenigen. Den kurzfristigen Aufschwung aber will niemand verpassen, jeder will Reibach machen. Doch was passiert, wenn die kühnen Erwartungen der Spieler nicht mehr in Erfüllung gehen? Im Abschwung werden dann diejenigen auf ihren Papieren sitzen bleiben, die den schnellen Kapitalumschlag nicht mitgemacht haben. Einige Zocker werden schnelles Geld gemacht haben, aber für manchen weniger gewieften "Mitspieler" wird es ein böses Erwachen geben.

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