Wirtschaft : Das Schweizer Unternehmen hat den traditionsreichen Uhren-Hersteller Breguet gekauft

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Der Umbau in der Schweizer Uhrenindustrie geht weiter: Nachdem am Montag der französische Luxusgüterkonzern LVMH die Übernahme des Uhrenherstellers Tag Heuer angekündigt hatte, will nun die Swatch Group AG, Biel, die Uhrengruppe Groupe Horloger Breguet übernehmen. Swatch werde alle Breguet-Aktien von einer britischen Investmentfirma kaufen, teilte das Unternehmen mit. An der Börse in Zürich legten die Swatch-Aktien um 33 auf 1180 Schweizer Franken zu. Mit der Marke Breguet erweitert Swatch das bestehende Segment der Prestige- und Luxusuhren sowie das oberste Marktsegment des Konzerns, das sich bisher aus Blancpain, Omega, der Schmuckuhrenmarke Hatot, Longines und Rado zusammensetzt. Den Kaufpreis wollte Swatch nicht nennen.

Swatch hatte Ende August ein Joint Venture und zwei Übernahmen angekündigt - mit dem Kauf von Breguet ist der erste Streich nun erfolgt. Die beiden nächsten Schritte dürften sich nach Ansicht von Marktbeobachtern darauf konzentrieren, die Stellung von Swatch in den Zukunftsmärkten Internet und Kommunikationstechnik zu stärken: Als Ziel eines Joint-Ventures gilt die Kooperation mit einem - vorzugsweise amerikanischen - Internet-Unternehmen, und eine weitere Akquisition könnte den High-Tech- und Mikroelektronik-Bereich des Uhrenherstellers ausbauen.

Breguet gehört zu den ältesten Uhrenfabrikanten der Welt. Das Unternehmen setzt mit 460 Mitarbeitern geschätzte 100 Millionen Mark um. Verkäuferin ist die ursprünglich in Bahrain ansässige, jetzt in London firmierende Investmentfirma Investcorp SA. Sie kaufte die renommierte Uhrenmarke 1987 aus der Konkursmasse des Juweliers Chaumet. Zu Investcorps "Uhrensammlung" gehören außerdem Chaumet und Ebel.

Alte Breguets gehören auf Uhren-Auktionen zu den begehrtesten Sammlerstücken. Eine neue Breguet kostet ab 10 000 Mark, die Hauptpreislage liegt bei 30 000 bis 40 000 Mark - nach oben ist die Preisskala offen.

Das Haus Breguet versuchte zu Beginn der 90er Jahre, nach dem Zusammenschluss der Firmen Montres Breguet mit der Uhrwerkmanufaktur Nouvelle Lemania und der auf Mikrotechnik spezialisierten Firma Valda unter dem Dach der Groupe Horloger Breguet seine "traditionelle Werte modernen Erfordernissen anzupassen". Ein für 1992 geplanter Börsengang wurde jedoch auf Rat der Hausbanken verschoben.

Mit dem Kauf legt sich der größte Schweizer Uhrenhersteller Swatch also ein echtes Juwel ins Schmuckkästchen. Zwar dürfte der Swatch-Jahresumsatz, der 1998 bei 2,4 Milliarden Franken lag, durch den Zukauf nur wenig steigen. Doch für Swatch-Chef Nicolas Hayek zählt auch, bei der anstehenden Konsolidierung der Schweizer Uhrenindustrie dabei zu sein. Die Branche mit ihren rund 500 Unternehmen ist stark zersplittert. Die drei Branchengrößen Swatch, Rolex (Umsatz 1998: 2,2 Milliarden Franken) und die Luxusgütergruppe Vendome (Cartier, Dunhill, Montblanc, Baume & Mercier, Vacheron Constantin) mit einem Umsatz von 3,7 Milliarden Franken teilten im Jahr 1998 drei Viertel der Schweizer Uhrenexporte im Wert von 8,4 Milliarden Franken unter sich auf, das übrige Viertel entfiel auf die anderen Unternehmen.

Ohnehin halten sich die Umsätze im traditionellen Uhrenmarkt in Grenzen. Nach Angaben von Swatch hat der gesamte Markt im vergangenen Jahr 14 bis 16 Milliarden Franken umgesetzt. Vor allem Familienunternehmen, die weniger als 100 Millionen Franken Umsatz im Jahr erwirtschaften, dürften in Zukunft große Mühe haben, ihre Selbstständigkeit zu behaupten.

Nicht zum Verkauf steht allerdings ein Übernahmeziel von Swatch-Chef Hayek, mit dem er schon lange liebäugelt: Patek Philippe. Das Unternehmen gehört vollständig der Familie Stern, die es auch behalten will.

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