Wirtschaft : Das Soziale neu denken

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Es war im Februar 1997, als die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland ein gemeinsames Papier vorlegten, das als „Sozialpapier der Kirchen“ diskutiert wurde. In der Stellungnahme hieß es, dass „nicht nur Armut , sondern auch Reichtum ein Thema der politischen

Debatte sein“ müsse, dass Solidarität und Gerechtigkeit die entscheidenden Maßstäbe für eine verantwortliche Gesellschaft seien. In den Jahren danach gab es viele Diskussionen und Debatten über diese Positionsbestimmung – und die Kirchen sahen sich wieder im Mittelpunkt einer neuen sozialen Bewegung. Unter dem Einfluss dieser Diskussion entschloss sich die Bundesregierung , einen Armuts und Reichtumsbericht vorzulegen, der die sozialen Entwicklungen in der Gesellschaft spiegeln soll. Tatsächlich änderte sich jedoch nichts: Die Arbeitslosigkeit wuchs weiter, Kinder aus bildungsfernen Schichten blieben von der Teilhabe an einer guten Schulausbildung abgeschnitten, Kinder blieben das Armutsrisiko Nummer eins in Deutschland.

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz versuchte im vergangenen Jahr mit ihrem Leitwort „ Das Soziale neu denken “ eine Fortschreibung des Sozialpapiers, in dem auch wieder die Eigenverantwortung des Einzelnen und die Grenzen des Sozialstaates betont wurden. In der katholischen Laienbewegung wurde das weitgehend als Einschwenken auf eine neoliberale Linie verstanden - und deshalb heftig kritisiert. Darüber kam es zu Zerwürfnissen mit prominenten Unions-Politikern, die der so genannten „Herz-Jesu-Fraktion“ angehören: Norbert Blüm distanzierte sich, Heiner Geißler erklärte, dass Jesus heute wohl Mitglied bei den Globalisierungsgegnern von Attac wäre.

Ein gemeinsames Papier der beiden Kirchen hat es seit dem Anlauf 1997 nicht mehr gegeben.uwe

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