Wirtschaft : Das Wohlergehen des Landes sollte laut einer Umfrage wichtiger eingestuft werden

Die meisten Deutschen halten die deutschen Unternehmer für vaterlandslose Gesellen. Das geht aus einer Allensbach-Studie im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hervor, deren Ergebnisse am Mittwoch in der FAZ veröffentlicht wurden. Danach ist die Mehrheit der Befragten davon überzeugt, dass es der Wirtschaft bei ihrem Plädoyer für Reformen ausschließlich um eigene Interessen geht und nicht darum, dem Land eine gute Zukunft zu sichern. Es gehe nur um billige Arbeitskräfte, egal wo, unterstellen 72 Prozent der Befragten. Ebenso viele vermuten, dass der Standort Deutschland keine Chance hat, wenn Investitionen im Ausland höhere Gewinne versprechen. Die meisten sehen in blühenden Unternehmen auch nicht mehr Garanten von Wohlstand. Nur 38 Prozent teilen die Meinung: "Was der Wirtschaft nützt, nützt auch der Bevölkerung. Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es auch der Bevölkerung gut." Den Unternehmen könne es sehr gut gehen - meinen 51 Prozent der Befragten - ohne dass die Bevölkerung davon profitiert.

Die Ansprüche an deutsche Unternehmer sind allerdings hoch: 67 Prozent fordern, ein Unternehmer oder Manager müsse neben dem Wohlergehen des Unternehmens auch das Wohl des Landes im Auge haben. Nur 27 Prozent glauben jedoch, dass deutsche Unternehmer ausgeprägte Bindungen an das eigene Land haben, gibt die FAZ die Allensbach-Studie wieder. Wenn in einem Gespräch zwischen einem amerikanischen, einem französischen und einem deutschen Unternehmer die Sätze fallen "Für mich geht mein Land vor. Ich liebe mein Land.", steht für die überwältigende Mehrheit der Befragten fest, dass diese Äußerung nicht von dem Deutschen stammen kann. 40 Prozent schreiben sie dem Amerikaner zu, 33 Prozent dem Franzosen, nur elf Prozent dem Deutschen. Gleichzeitig gefällt diese Haltung aber den meisten. Nur 28 Prozent empfinden sie als überzogenen und überholten Patriotismus.

Als ein Grund des Misstrauens gegenüber der Wirtschaft können Zweifel an der Identifikation mit dem eigenen Land angesehen werden. So schreiben tief empfundenen Patriotismus 67 Prozent den Franzosen zu, 62 Prozent den Amerikanern und nur 35 Prozent den Deutschen.

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