Wirtschaft : Dasa-Chef Bischoff hat hochfliegende Pläne

Airbus soll nicht beim zivilen Flugzeugbau stehenbleiben / "European Aerospace Company" angestrebt

B>MÜNCHEN (tmh).Der Vorstandschef der Münchner Daimler-Benz Aerospace (Dasa) AG hat hochfliegende Pläne.Seine Vision sei es, das Airbus-Konsortium nicht nur bis 1999 zu einer Kapitalgesellschaft umzuwandeln, sondern binnen fünf Jahren darin die Fundamente für eine umfassendere "European Aerospace Company" zu legen, sagte Manfred Bischoff am Dienstag in München.Airbus dürfe nicht beim zivilen Flugzeugbau stehenbleiben.Militärjets und Raumfahrt sowie Lenkflugkörper oder auch Verteidigungselektronik gehörten nach dem Vorbild der US-Konkurrenz ebenso unter ein künftiges Airbus-Dach.Er habe Hoffnung, daß die Airbus-Konsorten Dasa, British Aerospace, Aerospatiale (Frankreich) und Casa (Spanien) bis 2002/03 entscheidende Fortschritte hin zu dieser "großen Lösung" machen, sagte Bischoff.Vorgespräche dazu liefen bereits.Bedenken, die Dasa könne bei der Verschmelzung der Luft- und Raumfahrtindustrien Europas völlig von der Bildfläche verschwinden, teilte der Dasa-Chef nicht.Sie bleibe weit über 2000 hinaus als nationaler Statthalter deutscher Interessen aktiv.Hinter den Kulissen baut Bischoff indessen selbst am erträumten europäischen Luft- und Raumfahrtriesen.So will er Italiens Alenia in einen von der Dasa und der französisch-britischen Matra Marconi Space gebildeten Raumfahrt-Verbund bringen.Alenia zeige "großes Interesse", sagte Bischoff.Schon ohne Alenia ist der trinationale Raumfahrt-Bund global die Nummer zwei bis drei der Branche.Auch beim geplanten "Superjumbo", einem Airbus-Passagierjet für 480 bis 650 Personen, wird die Airbus-Struktur wohl um neue Partner angereichert.Das Konsortium hat neben Alenia und Saab weitere europäische und asiatische Kandidaten gefunden.Großes Interesse zeige auch die Luftfahrtindustrie Rußlands und der Ukraine.Der US-Konzern Lockheed könne sich aus politischen Gründen wohl nicht an der rund zehn Mrd.Dollar teuren Finanzierung des Mammutprojekts beteiligten.Hier gibt es eher Anknüpfungspunkte bei Satelliten, Transportflugzeugen und Lenkflugkörpern. Basis aller weiterführenden Pläne ist der Airbus-Umbau zur Kapitalgesellschaft.Die Dasa wolle all ihre Airbus-Aktivitäten darin einbringen und rechne mit Synergieeffekten von mehr als drei Prozent, sagte Bischoff.Das Staatsunternehmen Aerospatiale scheint sich dagegen nationale Zugriffsrechte sichern zu wollen und ein Pachtmodell anzustreben.Das sei nur die zweitbeste Lösung, kritisierte Bischoff.Falls es nach Einbringung der jeweiligen Aktivitäten zu größeren Ungleichgewichten im Verhältnis zur jetzigen Anteilsverteilung komme, gebe es dafür einen Ausgleichsmechanismus, und der heiße Geld, sagte Bischoff.Zur Besetzung des neuen Airbus-Managements gebe es keine verbindlichen Absprachen.Einen französischen Airbus-Präsidenten könne es nur wieder geben, wenn ein geeigneter Kandidat präsentiert werde.Bischoff selbst gilt als Favorit für die Nachfolge von Edzard Reuter als Airbus-Aufsichtsratschef. Die Dasa sieht Bischoff 1997 nach schweren Turbulenzen wieder auf Erfolgskurs.Zwar setzen Bonner Steuerpläne die Dasa-Ergebnisse unter Druck.Dennoch bringe 1997 ein besseres Betriebsergebnis als geplant.Nicht bestätigen wollte er, daß es über 210 (Vorjahr fünf) Mill.DM klettern könnte.1998 würden zwölf Prozent Kapitalrendite erreicht.1997 liege man bei einem Umsatz von rund 15 (Vorjahr 13,1) Mrd.DM nahe an diesem Wert.Der Auftragseingang sei klar höher.1998 dürfte an das laufende Jahr "nahtlos anknüpfen", schätzt Bischoff.Es komme nach dem Abbau fast der halben Belegschaft derzeit wieder zu Einstellungen.Wegen des Branchenbooms sei der geplante Stellenabbau um über 3000 Arbeitsplätze verringert worden und der Umschwung geschafft.Die Dasa schwenke wieder in den Normalzustand ein.Verantwortlich für den Aufschwung und den wohl ersten nennenswerten Gewinnbeitrag der Dasa für ihren Mutterkonzern Daimler seien unter anderem die Rekordaufträge für den Airbus, positive Wechselkurseffekte, die wachsende europäische Kooperation, Kostensenkung und der Durchbruch für den Eurofighter.

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