Wirtschaft : Dax bestätigt Optimismus der Börsianer

BERLIN (mot). Der Dax hat sich auch am Dienstag über der 5600-Punkte-Marke behauptet und Analysten bestätigt, die eine deutliche Kurserholung am deutschen Aktienmarkt für die zweite Jahreshälfte voraussagen. Zwar wackelt das Fundament noch - zwischenzeitlich verlor der Dax auch am Dienstag nach Gewinnmitnahmen an Boden - der Optimismus der Experten hat aber handfeste Gründe: Die Konjunkturaussichten für Euroland und die Gewinnprognosen der Unternehmen sind gut, das Geschäftsklima hat sich entsprechend verbessert, die US-Notenbank schreibt sich geldpolitische Neutralität auf die Fahnen und die Bundesregierung scheint mit ihrem Reformpaket Fehler auszubügeln, die die Börse seit Jahresanfang nervös gemacht hatte."Der große Wurf ist es zwar nicht", räumt Michael Schubert von der Bankgesellschaft Berlin ein. Die politischen Störfeuer der ersten rot-grünen Regierungsmonate gehörten aber offenbar der Vergangenheit an. "Das Erreichen der 5600 Punkte war ein einschneidendes Ereignis", so der leitende Aktienstratege im Research des Berliner Institus. Nach drei vergeblichen Anläufen in der Vorwoche sei der Durchbruch nach oben "an den technischen Indikatoren schön nachvollziehbar" gewesen. Kurzum: Der Dax holt jetzt nach, was er in den ersten sechs Monaten im Vergleich zu den anderen internationalen Börsenbarometern verloren hat. "Die internationalen Investoren kehren zurück", sagt Schubert. Bis Ende des Jahres sieht die Bankgesellschaft den Dax auf 5800 bis 6000 Punkte klettern.Robert Halver, Leitender Stratege des Privatbankhauses Delbrück & Co. in Frankfurt (Main) greift höher: Der Dax werde bis Ende Dezember seinen Höchststand von 6200 Zählern, den er zuletzt im Juli 1998 markierte, wieder erreichen. Den Anlegern stehe zunächst eine "Sommer-Rallye" bevor, die die Kurse bis zum neuen Dax-Rekord treiben werde. Einziger Wermutstropfen: Das Wachstum in Euroland werde schwächer ausfallen, als heute erwartet.Zurückhaltung übt nach der schnellen Kurserholung der vergangenen Tage dagegen die Frankfurter BfG Bank. Der massiv unter Druck stehende Rentenmarkt sei der derzeit größte Unsicherheitsfaktor der Börsianer. "Die Zinsangst ist noch nicht vom Markt verbannt", sagt Aktienanalyst Martin Haug. 5850 Dax-Punkte lautet seine Prognose für Ende 1999. Eine erneute Intervention der US-Notenbank sei denkbar, wenn sich die Aktien-Hausse an der Wall Street fortsetze und sich von der Gewinnsituation der Unternehmen weiter abkopple. Die "Vorschußlorbeeren", die mit Blick auf die Konjunkturbelebung an der Börse jetzt schon vergeben würden, müßten erst im Herbst verdient werden. Haugs Fazit: Ein neuer Dax-Rekord von 6200 Punkten ist 1999 nicht mehr drin. Auch Michael Schubert von der Bankgesellschaft Berlin vertröstet Anleger auf das kommende Jahr: "6200 Punkte stehen erst in unserem Fahrplan 2000".

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