Wirtschaft : Dax: Deutsche Aktien im "Niemandsland"

An den deutschen Aktienmärkten ist nach Einschätzung von Analysten keine dauerhafte Wende in Sicht. Der Dax befinde sich seit einem Jahr in einem Abwärtskanal, der aus charttechnischer Sicht nach wie vor anhalte. Vielmehr würden sich die Aktienbörsen in den kommenden Wochen weiter als "Trading-Markets" präsentieren - also mit kurzfristigen Auf- und Abwärtsschwankungen - und insgesamt seitwärts tendieren. Seit Anfang März 2000 hat der Dax rund ein Viertel seines Punktestands von damals knapp 8100 Zählern eingebüßt. Der Nemax-50-Index des Frankfurter Neuen Marktes verlor in Jahresfrist etwa 80 Prozent seines Wertes.

Eine Trendwende ist nicht abzusehen. Nach Einschätzung von Ludwig Gutmann, technischer Analyst bei der Bayerischen Landesbank, könnten sich Chancen für kurzfristige Gewinne ergeben. Langfristig orientierte Anleger sollten sich aber zurückhalten. Gutmann warnt: "Wer auf steigende Kurse spekuliert, handelt gegen den Trend."

Experten stimmen überein, dass sich die amerikanischen und deutschen Märkte charttechnisch in einer kritischen Situation befinden. Momentan schwebt der Dax nach Worten von Delbrück-Analyst Dietmar Rübsamen über der Marke von 6100 Punkten. Doch bereits letzte Woche hatte das Kursbarometer unterhalb dieser Linie geschlossen. "Signifikant wäre die Situation geworden, wenn der Dow-Jones-Index die Unterstützung bei 10 300 Punkten nicht verteidigt, sondern ebenfalls nach unten durchbrochen hätte." Sollte die Wall Street diesen Bereich nachhaltig unterschreiten, würde das negativ auf den Dax durchschlagen.

Bei einer Besserung hätten nach Einschätzung von Rübsamen ausgewählte Technologietitel ein gutes Potenzial. Auch bei Banken- und Automobilwerten deuteten die Zeichen auf Zuwächse, während Versorger- und Pharma-Aktien charttechnisch gesehen keine Kursgewinne versprächen. Beim Neuen Markt sind Analysten ratlos. Es gleiche einem technischen Niemandsland, sagte Sandra Schiller von der Commerzbank. "Momentan können wir kein Ende sehen."

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