Wirtschaft : Dax im Abwärtstrend: Ruhe nach dem Herbststurm

Veronika Csizi

Alle Hoffnungen ruhten auf dem November - vergeblich. Der Monat, sonst stets einer der besten für den Aktienmarkt, enttäuschte diesmal komplett. Der Dax schaffte es wieder nicht, die zu Monatsbeginn errungene 7000-Punkte-Marke zu halten. Im Gegenteil: Bis Donnerstagmittag verlor er rund 580 auf 6520 Zähler, das ist ein Minus von knapp neun Prozent. Das deutsche Barometer folgt dem Big Brother aus den USA, dem Dow und dem High-Tech-Index Nasdaq. Und da sah es angesichts des Wahldebakels und unerwartet schlechter Konjunkturzahlen trüb aus. Positive Nachrichten wurden von den Investoren kaum noch wahrgenommen, schlechte führten zu massiven Kurseinbrüchen. Vor allem in den USA und hierzulande doppelt gelistete Dax- Papiere wie SAP und Daimler-Chrysler kamen ins Trudeln. Gerüchten zufolge drückten - die Gunst der Stunde nutzend - so genannte amerikanische Short-Seller die Kurse, also Investoren, die geliehene Aktien verkaufen, damit Anschlussverkäufe auslösen, die gefallenen Papiere zurückkaufen und mit Gewinn an die Verleiher zurückgeben.

Die SAP-Aktie etwa verlor im Monatsverlauf ein Drittel ihres Wertes und notiert damit auf Zweijahres-Tief. Fundamentale Gründe dafür gab es nicht, im Gegenteil. SAP America gab eine Verdoppelung seiner Verkäufe bekannt, die Zahl der Kunden stieg um 40 Prozent. Während deutsche Banken das Papier mit Empfehlungen stützten, zeigten sich ausländische Institute skeptisch. Besonders negativ wirkte sich aus, dass das US-Brokerhaus Schroder Salomon Smith Barney, angeblich einer der aggressivsten Short-Seller am Markt, das Kursziel auf 125 Euro zurücknahm.

Bei Daimler-Chrysler zogen weitere Investoren die Notbremse. Nach einem leichten Aufwärtstrend im Oktober verlor die Aktie im November erneut rund 16 Prozent und notiert damit etwa 60 Prozent unter ihrem Hoch vom Mai 1998. Zwar hat Konzernchef Jürgen Schrempp fast die gesamte Unternehmensspitze der schwer angeschlagenen Chrysler-Sparte ausgetauscht und damit Hoffnungen auf eine Kurswende genährt. Doch kam es zu Monatsende noch einmal ganz dick: Die Schadenersatzklage des US-Multimilliardärs und Daimler-Chrysler-Großaktionärs Kirk Kerkorian, der sich zahlreiche kleinere Anteilseigner anschlossen. Auch wenn der Klage wenig Chancen auf Erfolg eingeräumt werden, so droht Schrempp und dem Konzern eine Prozesslawine. Hinzu kam die Ankündigung der Deutschen Bank, sich mit in Kraft treten der Steuerreform 2002 von ihren Industrie-Beteiligungen zu trennen. Und an Daimler-Chrysler hält der Bankenprimus immerhin einen Anteil von 11,9 Prozent.

Dass das zum Verkauf anstehende Beteiligungs-Portfolio (u.a. Linde und Münchener Rück) einen Marktwert von aktuell knapp 40 Milliarden Mark hat, half der Aktie der Deutschen Bank indes auch nicht weiter. Das Papier musste, wie alle anderen Bankaktien im Dax, im November kräftig Federn lassen und verlor gut elf Prozent. Die Baisse an den Märkten werde eine der Hauptsäulen im Bankgeschäft, das Investment-Banking, hart treffen, vermuteten Händler.

Ansonsten hinterlässt der November keine klaren Trends. Bei den Autos gab VW weiter leicht Gas, BMW dagegen verlor gut acht Prozent. Mit einem ganzen Reigen guter Nachrichten wartete Siemens auf: Das Unternehmen gab einen um 80 Prozent gestiegenen Rekordgewinn bekannt, kündigte einen Split und weitere Aktienrückkäufe an, hat seinen Weltmarktanteil bei Handys auf neun Prozent gesteigert und damit zum Rivalen Ericsson auf Platz drei aufgeschlossen. Auch die Bewertung der Analysten spiegelt die Kursentwicklung nicht wider: Allein im November gaben sechs Banken eine Kaufempfehlung an. Der Kurs sank dennoch um mehr als zehn Prozent. Adidas-Salomon, mit 20 Prozent Plus November-Sieger im Dax, profitierte von der Ankündigung, sein Marketing neu auszurichten und "zweit- und drittklassige Athleten und Mannschaften aus den Verträgen zu entlassen".

Insgesamt fällt die Novermber-Bilanz dürftig aus: Die Kurse koppeln sich immer mehr von ihren realen Fundamenten ab. Richtungslose Hektik kennzeichnet das Anleger-Verhalten.

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