Wirtschaft : Debis-Vorstandschef Klaus Mangold: "Wir denken gar nicht daran, Teile von Debis zu verkaufen"

Herr Mangold[der diesjährige Dienstleistungs]

Herr Mangold, der diesjährige Dienstleistungskongress der Debis steht unter dem Motto Globalisierung. Nicht nur die Mitarbeiter von DaimlerChrysler erleben nun hautnah, was das bedeutet. Viele Menschen fürchten die Folgen dieser rasanten Wirtschaftsentwicklung. Verlieren Begriffe wie Nation und Identität ihre Bedeutung?

Ich kann die Ängste gut nachvollziehen. Vieles verändert sich dramatischer, als wir noch vor kurzem gedacht haben. Was heute noch richtig ist, muss es morgen schon lange nicht mehr sein. Die Menschen suchen nach Stabilität und Planbarkeit. Eine solch bewahrende, behütende Funktion eines nationalen Unternehmens wird aber in Zukunft keine Konstante mehr sein können. Das schafft Unsicherheit. Aber man darf nicht vergessen, dass gerade Deutschland aus der Globalisierung extreme Vorteile zieht. Nur dadurch können wir uns noch einen hochwertigen Arbeitsmarkt erlauben.

Genau das ist aber nicht zu erkennen. Der internationale Wettbewerb der Standorte macht die Kosten transparent. Und das kostet in Deutschland Arbeitsplätze.

Ganz im Gegenteil. Die DaimlerChrysler AG hat 1998 über 31 000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Im industrienahen Dienstleistungsbereich entstehen zur Zeit enorm viele neue Arbeitsplätze. Und das nur, weil wir in Deutschland Produkte herstellen, die nicht in ganz unmittelbarem Wettbewerb mit Ländern der Dritten Welt stehen. Keine Frage: Von der Globalisierung profitieren alle. Unsere Volkswirtschaften, die Länder Mittel- und Osteuropas sowie die Schwellen- und Entwicklungsländer. Allen bietet sich die Chance für mehr Wachstum, mehr Wohlstand und mehr Einkommen.

Auch in Asien baut man Chips - nur billiger als hier.

Den weltweiten Wettbewerb fürchten wir nicht. In einer weltweiten Gesellschaft wollen und müssen wir offen sein. Unsere Stärke liegt in hochwertigen Industrieprodukten und Dienstleistungen, die exportiert werden können. Asien hat beispielsweise keine hochwertigen Wirtschaftsprüfer, Rechts- und Unternehmensberater oder Marktforscher. Die Länder Asiens sind im Telekommunikationsbereich und bei Hochtechnologien nicht so weit wie wir.

Bringt die Globalisierung denn nur für eine gut ausgebildete Elite Chancen?

Wir haben in den vergangenen Jahren mehr Arbeitsplätze gewonnen als verloren. Allein im IT-Bereich sind Tausende neuer Jobs entstanden. Die Dynamik in diesem Bereich ist so enorm, dass wir 60 000 offene Stellen haben. Natürlich, der Kostenwettbewerb in allen Branchen verschärft sich. Darauf müssen wir uns einstellen. Wir müssen uns darauf konzentrieren, unser Ausbildungsniveau dauerhaft hoch zu halten.

Deutschland fällt gerade in diesem Bereich jedoch zurück.

Im europäischen Maßstab haben wir gewaltig aufgeholt, obwohl wir noch weit hinter den Amerikanern zurückliegen.

Hat die Politik den Trend verschlafen?

In letzter Zeit ist da schon eine Menge geschehen. Aber es könnte noch schneller gehen. Ich glaube, dass

Klaus Mangold (56) steht seit 1995 an der Spitze der heutigen DaimlerChrysler-Services (Debis) AG. Die Rolle von Kommunikations- und Finanzdienstleistungen im Prozess der Globalisierung ist auch Thema des 3. Dienstleistungskongresse s der Debis am Dienstag in Berlin. Mit Mangold sprach Antje Sirleschtov.

Deutschland näher an der Weltmarktentwicklung liegt, als das wahrgenommen wird. Nicht umsonst gibt es viele Unternehmensgründungen, gerade im Bereich Telekommunikation und Informationstechnologie. Hier sind die Erfolgschancen hoch. Gerade Unternehmensgründern bietet der Dienstleistungsbereich besondere Chancen, da hier die Eintrittsbarrieren geringer sind als in der Industrie.

Haben die Länder Osteuropas Chancen, den Anschluss zu finden?

Für mich ist es überhaupt keine Frage: Die Länder Mittel- und Osteuropas müssen wir zu unseren Verbündeten machen. Wir können in Mittel- und Osteuropa sehen, wie teilweise hervorragende Infrastrukturen gute Entwicklungen möglich machen. Das Zusammenspiel zwischen West und Ost muss noch intensiver werden. Dazu ist es jedoch nötig, diesen Ländern eine Perspektive zu geben. Sie brauchen Klarheit, Berechenbarkeit, Sicherheit, Zuverlässigkeit und eine politische Orientierung auf dem Weg zur Mitgliedschaft in der Europäischen Union. An ihrer Zugehörigkeit zu Europa darf niemand zweifeln.

Über Ihr eigenes Unternehmen kursieren im Markt immer wieder Gerüchte. Wird sich DaimlerChrysler von Debis oder dem Debis Systemhaus trennen?

Debis gehört zum Kerngeschäft des DaimlerChrysler-Konzerns. Wir erbringen die Finanzdienstleistungen für den Konzern, und das Debis-Systemhaus gehört als Informations- und Technologieklammer unmittelbar zu den Erfolgsfaktoren eines global agierenden Unternehmens mit Märkten auf der ganzen Welt. Wir denken gar nicht daran, Teile von Debis zu verkaufen oder an die Börse zu bringen.

Und wenn Debis alleine mehr wert wäre als im Konzernverbund?

Noch einmal, wir werden das Familiensilber nicht hergeben. Der Shareholder sieht das extrem hohe Wertschöpfungspotenzial. In so einer Wachstumsphase des IT-Weltmarktes verkauft man nicht.

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