Wirtschaft : Debitel startet UMTS für Privatkunden

Erstes Angebot für neue Mobilfunktechnik auf dem Handy

Tobias Symanski

Debitel ist Erster: Vor allen anderen bietet das Unternehmen in Deutschland die neue Mobilfunktechnik UMTS auch für Privatkunden an. Das verrückte daran: Debitel hat gar kein eigenes Handynetz, sondern vermarktet Mobilfunkdienste für die Netzbetreiber. Doch jetzt startet Debitel mit dem Verkauf von UMTS-Handys und -Diensten für Privatkunden in den Netzen von T-Mobile und Vodafone – bevor die Betreiber es selbst tun. Seit Februar bietet Vodafone zwar ebenfalls erste UMTS-Dienste an. Das Angebot richtet sich aber im wesentlichen an Geschäftskunden, die unterwegs mit dem Laptop das Internet nutzen wollen. Vodafone verkauft daher zunächst keine UMTS-Handys, sondern nur eine Datenkarte für mobile Computer.

UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) ist eine Technik, die eine wesentlich schnellere Übertragung von Daten per Funk möglich macht als bisher. So lässt sich nicht nur wesentlich schneller mobil im Internet surfen, es sind auch ganz neue Angebote möglich – wie etwa die Übertragung von Videos oder Musik. Doch die Einführung der neuen Technik hat sich immer wieder verzögert. Es gab nicht nur technische Probleme in den Netzen, auch mit den Handys sind die Netzbetreiber noch unzufrieden.

„Die Branche hat sich darauf verständigt, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen“, sagt ein Sprecher vom Netzbetreiber E-Plus. Denn bei der Einführung der UMTS-Vorgängertechnik GPRS im Jahr 2001 gab es zum Start weder funktionierende Handys noch Anwendungen. „Das hat damals zu Frust bei den Kunden geführt. Bei UMTS wollen wir so etwas vermeiden und von Anfang an attraktive Pakete schnüren“, sagt der E-Plus-Sprecher. So argumentiert auch ein Sprecher von Vodafone: „Die auf dem Markt verfügbaren UMTS-Handys erfüllen noch nicht unsere Qualitätsanforderungen.“ Das nun von Debitel vermarktete Handy, das Nokia 7600, mache da keine Ausnahme.

Möglich ist das Angebot von Debitel, weil alle Netzbetreiber verpflichtet waren, ihre UMTS-Netze bis Ende 2003 so aufzubauen, dass sie mindestens 25 Prozent der Bevölkerung erreichen. Die Netze von Vodafone und T-Mobile sind auch schon in Betrieb. „Die Handykarten von T-Mobile sind bereits für UMTS freigeschaltet, bei Vodafone erfolgt die Freischaltung sukzessive bis Mai“, sagt ein Sprecher von Debitel. Wer jetzt ein UMTS-Handy bei Debitel kaufe, nutze weiter seinen bisherigen Tarif. „Nur alles geht schneller.“ Beim Telefonieren macht sich das nicht bemerkbar. Aber: „Spiele, E- Mails, Daten und Klingeltöne können in einem Bruchteil der bislang erforderlichen Zeit heruntergeladen werden.“ Wo UMTS noch nicht verfügbar sei, schalte das Handy automatisch auf die bestehende Technik um.

Das Nokia 7600 bietet Debitel bei Abschluss eines Vertrages ab 299 Euro an. Nokia selbst reagiert eher zurückhaltend auf das Angebot von Debitel. Man empfehle den Einsatz als UMTS-Gerät generell dann, wenn die Tests beendet seien und die Netze auch kommerziell in Betrieb genommen wurden. In Österreich werde das 7600 allerdings schon erfolgreich eingesetzt, sagte die Sprecherin.

Die Datenkarte, die Vodafone vertreibt, wurde schon intensiv getestet. Das Urteil von Xonio, eine Verbraucherberatung im Internet: „Die Karte funktioniert richtig gut.“ Die mitgelieferte Software, mit der auch Kurzmitteilungen (SMS) verschickt und E-Mails abgerufen werden können, „läuft reibungslos und ist intuitiv bedienbar“, sagt Carl Schneider von Xonio. „Systemabstürze habe ich nie erlebt.“ 359 Euro kostet die Karte. Je nach Vertrag und Höhe der Inklusiveinheiten kommen weitere Kosten von mindestens 11,60 Euro pro Monat hinzu. Dafür gibt es einen wirklich schnellen Internetzugang: mit fast sechsfacher ISDN-Geschwindigkeit.

Wer derzeit noch auf den schnellen mobilen Datendienst verzichten kann, sollte mit dem Einstieg ins UMTS-Zeitalter ein wenig warten. Spätestens auf der Computermesse Cebit Mitte März wird klar sein, wann T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 mit ihren UMTS-Angeboten für Privatkunden starten. „Wenn der Markt erst richtig in Schwung kommt, werden sich die Preise für die Dienste noch ein Stück nach unten bewegen“, sagt Verbraucherberater Schneider.

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