Wirtschaft : Delphi geht vor Gericht gegen GM vor

Sanierungsplan mit dramatischen Folgen / Bis zu 28 000 Stellen gefährdet

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New York. Der in einem Insolvenzverfahren steckende größte US-Autozulieferer Delphi hat mit einem gerichtlichen Präventivschlag gegen seine Gewerkschaften und den Hauptkunden General Motors (GM) die harten Fronten im Sanierungs- und Konzessionspoker in der US-Autoindustrie in Bewegung gebracht. Delphi hat beim zuständigen Insolvenzrichter eine Ungültigkeitserklärung für seine Tarifverträge mit den Gewerkschaften beantragt. Das Unternehmen will auch 21 von 29 US-Betrieben schließen und weltweit 8500 Angestellte nach Hause schicken. Das sind 25 Prozent aller Angestellten. Zuzüglich der Arbeiter könnten insgesamt mehr als 28 000 Delphi-Beschäftigte ihre Stellen verlieren. Die Stundenlöhne bei den verbleibenden Arbeitern sollen von 27 auf 22 Dollar reduziert werden und ab September 2007 auf 16,50 Dollar.

Das Unternehmen will ein Drittel aller Betriebe weltweit veräußern oder schließen. Delphi will in diesem Zusammenhang in Europa mit den Betriebsräten verhandeln. Die Gesellschaft gab nicht bekannt, welche ausländischen Betriebe zur Disposition stehen. Der Zulieferer hat nach einem Bericht der „Detroit News“ vom Sonntag weltweit 185 000 Beschäftigte, davon knapp 50 000 in den USA. Delphi hat weltweit 163 Werke.

Für den Fall einer richterlichen Genehmigung des Delphi-Antrags zur Tarifaufkündigung hält es Ron Gettelfinger, der Präsident der mächtigen Automobilarbeitergewerkschaft UAW, „für ziemlich ausgeschlossen, dass ein langer Streik vermieden werden kann“. Ein langer Ausstand würde jedoch GM Milliarden kosten und möglicherweise selbst in ein Insolvenzverfahren treiben, spekulierte die Wall Street. Dies könne sich die Gewerkschaft nicht leisten. GM hatte 2005 einen Verlust von mehr als zehn Milliarden Dollar verbucht.

Delphi, die 1999 verselbstständigte GM-Autoteilesparte, liefert noch immer rund die Hälfte der GM-Teile und kommt auf einen Jahresumsatz von 29 Milliarden Dollar. Das Unternehmen will sich künftig auf Autoelektronik konzentrieren. Delphi hat auch eine gerichtliche Aufkündigung für einen Teil seiner GM-Lieferverträge beantragt. „Wir können einfach keine Produkte mehr mit Verlust verkaufen“, begründete Delphi-Konzernchef Robert S. Miller. „GM erwartet, dass Delphi seine öffentlichen Verpflichtungen einhält und jegliche Unterbrechung von GM-Operationen vermeidet“, erklärte GM-Konzernchef Rick Wagoner. Der Insolvenzrichter will am 9. Mai eine Anhörung über die Delphi-Anträge abhalten. Als Teil seiner eigenen Sanierung will GM angeblich seine Finanzsparte GMAC verkaufen. Berichten zufolge hat der Finanzinvestor Cerberus elf Milliarden Dollar für 51 Prozent der Finanztochter geboten. dpa/pf

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