Wirtschaft : Dem Bürger ins Portemonnaie geschaut

Statistiker wollen 1998 wieder Daten über Einkommen und Verbrauchsgewohnheiten sammeln

BERLIN (mot).Mit einem Aufruf an die privaten Haushalte, freiwillig Auskunft über ihre Verbrauchsgewohnheiten und Einkommenverhältnisse zu geben, hat das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Berlin eine bundesweite Werbeaktion für die nächste Einkommens- und Verbrauchsstichprobe im kommenden Jahr eingeläutet.Die seit 1961 alle fünf Jahre von den Statistischen Ämtern der Länder und des Bundes organisierte Stichprobe wurde zuletzt 1993 ­ erstmals auch in den neuen Bundesländern und Ost-Berlin ­ durchgeführt.Sie ermittelt zum Beispiel, über welches Einkommen und Vermögen die Haushalte verfügen, wofür sie ihr Geld ausgeben und wie sie ihre Ausgaben verteilen.Die Daten dienen unter anderem als Grundlage für den monatlich veröffentlichten Preisindex für die Lebenshaltung, die Ermittlung von Sozialhilfesätzen, Unterhaltzahlungen oder Kindergeld.Der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Johann Hahlen, betonte, um zuverlässige Informationen über die wirtschaftlichen Lebensverhältnisse der Menschen in Deutschland zu gewinnen, sei eine möglichst rege Beteiligung aller Bevölkerungsgruppen erwünscht.Befürchtungen "hier walte staatliche Neugier" trat Hahlen mit dem Hinweis entgegen, die gesammelten Daten würden streng vertraulich behandelt, anonymisiert und nur zu statistischen Zwecken verwendet.Insgesamt 74 000 Haushalte, das heißt jeder 500.Haushalt in Deutschland, müssen für eine Teilnahme gewonnen werden.Dies sind etwa 0,2 Prozent aller 36 Millionen deutschen Haushalte.Bislang unterrepräsentiert sind nach Auskunft Hahlens Selbständige, Alleinerziehende, Menschen mit besonders hohen oder besonders niedrigen Einkomen, Ausländer oder junge Singles und Rentner. Um den teilnehmenden Haushalten die Datenerfassung zu erleichtern, ist die Stichprobe 1998 neu konzipiert worden.So wurde der Zeitraum, in dem Einnahmen und Ausgaben in ein Haushaltsbuch eingetragen werden müssen, von zwölf auf drei Monate verkürzt.Haushalte, die sich an der Datenerfassung beteiligen, erhalten eine kleine Aufwandsentschädigung.Darüber hinaus wurde auch die Verabeitung des Datenmaterials bei den Statistischen Ämtern rationalisiert, sodaß bereits Ende 1998 erste Ergebnisse der nächsten Stichprobe vorliegen.Die Daten-Aufbereitung hatte in der Vergangenheit jeweils rund drei Jahre in Anspruch genommen.Die Erhebung, die von etwa 2000 Interviewern der Statistischen Ämter durchgeführt wird, kostet nach Auskunft Hahlens 10 Mill.DM, die von den Ländern getragen werden. Das Statistische Bundesamt teilte am Donnerstag weiter mit, trotz der sich annähernden Lebensverhältnisse in Ost- und Westdeutschland würden die Inflationsraten weiter getrennt berechnet.Eine einheitliche Berechnung sei erst vom Jahr 2003 an zu erwarten, sagte Günther Elbel vom Bundesamt.Dies erfolge auf Wunsch der Politik und spiegele auch die noch unterschiedlichen Verbrauchergewohnheiten.Die Einkommens- und Verbrauchsstatistik 1998 werde Grundlage für die erste ausschließlich gesamtdeutsch berechnete Preissteigerungsrate sein.

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