Wirtschaft : Der Abschied von der Vergangenheit

ROLF OBERTREIS

Die Metallgesellschaft denkt wieder an eine Dividende / Neues Logo soll Image aufpolierenVON ROLF OBERTREIS FRANKFURT.Die Metallgesellschaft hat die Vergangenheit endgültig hinter sich gelassen.Nicht nur daß ihr Chef, Kajo Neukirchen, laut über die Wiederaufnahme einer Dividendenzahlung nachdenkt, mit einem neuen Logo will er auch Innovationskraft und Modernität signalisieren und das Image in der Öffentlichkeit aufpolieren.Seit neuestem firmiert die Metallgesellschaft deshalb unter dem Logo "mg". Durch Investitionen und durch weitere Firmenkäufe will mg weiter wachsen."Wir legen die Meßlatte dafür aber sehr hoch", betonte Neukirchen, dessen Vertrag vom Aufsichtsrat am Freitag um fünf Jahre verlängert worden war.Bislang sei man mit dieser Strategie sehr gut gefahren.Seit der existenzbedrohenden Krise vor vier Jahren habe man für weit über 1 Mrd.DM ohne Aufnahme von Schulden Anteile an rund 40 Unternehmen erworben. Darüber hinaus wurde im vergangenen Jahr ein neues bescheideneres Domizil bezogen.Das noble, altehrwürdige, aber viel zu teure Quartier an der Alten Oper in Frankfurt wurde aufgegeben und neue Büros im ehemaligen Haus der Gewerkschaft IG Bau ein paar hundert Meter westlich belegt. Im Januar 1994 war die Metallgesellschaft selbst eingefleischten Experten nach den waghalsigen Öl-Termingeschäften des ehemaligen Vorstandschefs Heinz Schimmelbusch und nach der Beinahe-Pleite im Dezember 1993 kaum einen Pfifferling wert.Auf gigantische 2 Mrd.DM belief sich damals der Verlust.Sogar die Rettungsaktion mehrerer Banken, die rund 3,4 Mrd.DM lockermachten, schien dem Unternehmen keine rosige Zukunft zu eröffnen.Vier Jahre später ist unter der Regie von Vorstandschef Kajo Neukirchen von Krise keine Rede mehr.Zum ersten Mal hat der von der Deutschen Bank auf den Chefsessel der Metallgesellschaft gehievte Manager gezeigt, daß er nicht nur zum Sanierer taugt, der nach kurzer Zeit wieder abspringt, sondern ein Unternehmen auch längerfristig erfolgreich führen und strukturieren kann.Da ist es nur konsequent, daß Neukirchens Vertrag verlängert wird.Und da dürfte der ehemalige Mercedes-Chef Helmut Werner im Frühjahr seinen Job als neuer erster Mann im mg-Aufsichtsrat mit Gelassenheit, aber auch mit hohen Erwartungen antreten. Je mehr Erfolge der Konzern in den vier Jahren nach der Krise verbuchen konnte, desto ruhiger wurde es.Die guten Geschäftszahlen und der erfolgreiche Umbau mit der Konzentration auf Metallhandel, Anlagenbau, Chemie und die Bautechnik sind kaum durchgedrungen.Neukirchen mag die eingekehrte Ruhe einerseits recht sein.Andererseits hat es ihn immer geärgert, daß er von vielen wegen der schmerzhaften Sanierung gerügt wurde.Daß dafür eigentlich sein Vorgänger und auch ein allzu nachlässiger Aufsichtsrat verantwortlich waren, interessierte viele Kritiker wenig.Heute ist bei Neukirchen der Ärger dem Stolz über die von den Mitarbeitern geleisteten Anstrengungen gewichen."Vor vier Jahren waren wir konkursreif, jetzt sind wir wieder fit für die Zahlung einer Dividende.Das soll uns erst einmal jemand nachmachen." Neukirchen wird in seinem Optimismus von den Zahlen bestärkt.Nach dem guten Ergebnis des Geschäftsjahres 1996/97 ist mg mit viel Schwung in die neue Periode gestartet.Das Vorsteuerergebnis des ersten Quartals von Oktober bis Dezember 1997 brachte einen Zuwachs von rund 60 Prozent auf 45 Mill.DM.Besonders im Anlagenbau und im Chemiegeschäft habe man deutlich zulegen können, betonte Neukirchen auf der Bilanz-Pressekonferenz in Frankfurt.Der Konzernumsatz kletterte im ersten Quartal um rund 300 Mill.DM auf 4,1 Mrd.DM.Im abgelaufenen Geschäftsjahr kletterte der Gewinn um gut 7 Prozent auf 236 Mill.DM.Der Umsatz stieg um 15 Prozent auf 18,2 Mrd.DM.Die Bankschulden wurden um 60 Prozent auf 319 Mill.DM abgebaut. Bis 1993 war die Metallgesellschaft mit ihren Geschäften im Metall-, Chemie- und Ölhandel, ihren Aktivitäten in der Chemie, im Anlagenbau, im Heizungsbereich, im Finanzwesen mit über 700 Tochtergesellschaften nur Experten und eingefleischten Aktionären ein Begriff.Einer breiteren Öffentlichkeit wurde die Firma erst durch die existenzbedrohende Krise ein Begriff.

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