Wirtschaft : Der Aktien-Tipp: BASF konzentriert sich auf Agrochemie

Es waren Treuebekundungen wie beim Fußball: "Pharma wird nicht verkauft", versicherten seit Jahren Jürgen Strube, Vorstandsvorsitzender der BASF, und Eggert Voscherau, für Pharma zuständiges Vorstandsmitglied. Dass das Lippenbekenntnisse waren, ist jetzt klar; für 7,7 Milliarden Euro geht das Geschäft an das US-Unternehmen Abbott Laboratories. Damit legt Abbott mehr als das Dreifache des erwarteten Pharmajahresumsatzes von BASF in Höhe von 2,5 Milliarden Euro auf den Tisch.

Branchenexperten munkeln jedoch, hier habe sich ein Lahmer einen Hinkefuß eingekauft. Die Pharmabranche hatte bei BASF nie richtigen Erfolg, sie passte nicht recht dazu. Der Unternehmenszweig, zusammengekauft aus der Knoll AG sowie einem japanischen und einem englischen Pharmaunternehmen, rangiert weltweit zwischen Platz 20 und 30.

In Amerika gab es dann Probleme: Wegen eines Schilddrüsenmittels wurde der Ludwigshafener Chemiekonzern zuerst auf Schadensersatz und anschließend zur Zahlung verklagt. Ein Mittel gegen Fettleibigkeit entpuppte sich als Rohrkrepierer. Und dies ausgerechnet in den Vereinigten Staaten, dem gewinnträchtigsten Pharmamarkt der Welt. Überschneidungen mit anderen BASF-Sparten gab es kaum. Daher war es nur eine Frage der Zeit, wann der Pharmazweig veräußert werden sollte. Zukunft sieht die BASF hingegen in der Agrochemie. Durch Zukäufe stieg sie zur weltweiten Nummer drei auf. Hier wird in die Biotechnologie investiert, um bald die Nase vorn zu haben.

Entschlussfreudiger zeigte man sich hingegen bei Du Pont. Sechs Monate lang stand die Pharmasparte des US-Chemie-Riesen auf dem Prüfstand. Jetzt fiel die Entscheidung: Weg damit! Der Börsengang ist nur eine Option, wahrscheinlicher ist das Andocken an ein anderes Unternehmen. Das Geschäft ist noch kleiner als das der BASF. Doch ist das Hauptprodukt, ein Mittel gegen die Immunschwäche Aids, führend in seiner Klasse und hat die größten Verkaufserfolge noch vor sich. Der internationale Chemiekonzern Du Pont sucht schon länger einen Partner in Europa. Auch der internationale Konzern Astra Zeneca wäre ein potenzieller Käufer für die Pharmasparte. Die Briten sind zwar nicht offiziell auf Partnersuche, wären aber einer Übertragung, die ihre Stellung in Amerika ausbaut, nicht abgeneigt. Als weiterer Partner kommt auch American Home Products in Frage.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben