Wirtschaft : Der Aktien-Tipp: Carphone bereit beim Handykauf

Sie waren so groß wie ein Schuhkarton und so teuer wie ein Kleinwagen: die Autotelefone Ende der achtziger Jahre. Mit ihnen begann auch die Geschichte von Carphone Warehouse, dem britischen Kaufhaus für Mobiltelefone. Carphone berät und verkauft unabhängig vom Telefonhersteller - im Unterschied zu den markengebundenen Shops der Konkurrenz. Doch der Börsengang im Juli 2000 enttäuschte. Der Kurs der Carphone-Aktie rutschte bei einem Ausgabekurs von 200 Pence auf ein Tief von 144 Pence am 18. Oktober. Zugegeben: Das Börsenumfeld ist seit März des Jahres für Aktien, die mit Mobilfunk und Telekommunikation zu tun haben, sehr schwierig. Hinzu kam, dass erst im Oktober die Lock-up-Frist endete, der 10 300 Investoren zugestimmt hatten. Bald könnte sich die unfreiwillige Geduld auszahlen, glauben Analysten. Die waren von Carphones erstem Finanzbericht begeistert. Auch der starke Start in Deutschland, wo das Unternehmen unter "The Phone House" arbeitet, und das gute Schweden-Geschäft freut sie. Die unabhängige Beratung beim Handykauf kommt an. Im ersten Halbjahr 2000 schaltete Carphone 1,4 Millionen Anschlüsse frei, 74 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz wuchs um 62 Prozent auf 447,9 Millionen Pfund. Der Gewinn verringerte sich wegen einmaliger Aufwendungen auf 3,2 Millionen Pfund (5,1 Millionen Euro). Mit dem Geld des Börsenganges will Carphone auf dem europäischen Festland expandieren. Allein 1999 wurden in Europa 20 Millionen Handys ausgetauscht. Im Juni kaufte der Internet-Spezialist America Online (AOL) 15 Prozent an Carphones Internet-Portal M-Viva. So kommt AOL an Carphones Kundschaft, im Gegenzug leisten die Amerikaner technische und inhaltliche Hilfe. Die Analysten freut das: "Carphone kann sogar optimistische Schätzungen übertreffen", glaubt Aymeric Poulain von JP Morgan. Carphones Stärke sei die Schwäche der Konkurrenz. Die hat sich in den UMTS-Auktionen schwer verschuldet. Die Risiken des Unternehmens: Der Aktienkurs schwanke stark, verlässliche Aussagen über eine so junge Firma seien nahezu unmöglich, so Poulain. Geoff Ruddell, Deutsche Bank, bescheinigt der Aktie mittelfristige Attraktivität: "Trotz des fast gesättigten Marktes in England hat die Firma international gute Aussichten."

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