Wirtschaft : Der Aktionär als Zuschauer

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Von Dieter Fockenbrock

Kleinaktionäre der TVSendergruppe Pro Sieben Sat 1 dürfen nur zuschauen. Ihr Geld haben sie dem Unternehmen gegeben, doch zu sagen haben die privaten Anteilseigner nichts. Sie werden nicht einmal richtig informiert. Erst mussten sie tatenlos zusehen, wie der Springer-Verlag und Kirch ihren Kampf um Rückkaufrechte für ein dickes Aktienpaket öffentlich austrugen. Dann hielt das Management des Senders trotz der absehbaren Pleite des Kirch-Imperiums unerschütterlich an einer Fusion des Senders mit Kirch-Media fest. Und jeder fragte sich, was der Unsinn angesichts des drohenden Zusammenbruchs noch sollte. Am Ende wurde der Plan dann doch abgeblasen. Die Kirch-Gruppe ging in die Insolvenz.

In letzter Minute abgesprungen ist jetzt auch der neue Eigentümer für Pro Sieben Sat 1, der Milliardär Haim Saban. Am Börsenkurs der letzten Monate konnte man ablesen, was Aktionäre von ihm erwarteten: eine ruhige und sichere Zukunft. Die steht jetzt wieder in den Sternen. Und am Montag fahren die Kleinaktionäre nach München – und wissen nichts. Woher soll jetzt das notwendige neue Kapital kommen? Noch wird nur über den Einstieg der Banken spekuliert. Was macht jetzt der Axel Springer Verlag? Steigt er komplett aus? Welche Folgen hat die endgültige Trennung von der Kirchschen Filmbibliothek? Kann die Senderfamilie den Einkauf ohne Probleme selbst stemmen?

Ob die Fragen am Montag tatsächlich beantwortet werden, darf bezweifelt werden. Es sei denn, der Sender bricht mit seiner Tradition, Aktionäre nicht ernst zu nehmen. Pro Sieben Sat 1 ist ein Musterbeispiel für ein Unternehmen, das besser nicht an die Börse gegangen wäre. Gut, die Käufer der TV-Aktien hätten wissen müssen, dass Kirch mit 88 Prozent ohnehin immer das Sagen hatte. Sie wussten auch, dass sie vor allem mit Vorzugsaktien ohne Stimmrecht abgespeist werden, dafür aber auf höhere Kurse und Dividenden hoffen können. Trotzdem hat gerade der Umgang dieses Unternehmens mit seinen Eigentümern gezeigt, dass die Aktienkultur in Deutschland noch sehr unterentwickelt ist. Vor allem bei einigen Managern.

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