Der Aufschwung kehrt zurück : Maschinenbauer planen mit einer Million Jobs

Deutschlands Schlüsselbranche expandiert weiter – davon profitiert auch der Rest der Wirtschaft.

von
Ein Mähdrescher erntet ein Getreidefeld ab.
Geschnitten. Claas-Mähdrescher aus Ostwestfalen sind weltweit begehrt – der mittelständisch geprägte Maschinenbau ist eine der...Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Zum Beispiel der Landmaschinenhersteller Claas aus dem ostwestfälischen Harsewinkel. Übermannsgroße Mähdrescher und Traktoren sind das Markenzeichen der Familienfirma mit der 100-jährigen Tradition. Die meist grasgrünen Maschinen sind gefragt wie nie, vor allem im Ausland – rund 600 zusätzliche Mitarbeiter hat das Unternehmen in diesem Jahr deshalb eingestellt. Und es dürfte weiter bergauf gehen, für 2014 sind die Claas-Leute zuversichtlich. Das Unternehmen expandiert weiter.

Es gibt in Deutschland viele Firmen wie Claas – Mittelständler, die mit ihren ausgefeilten Maschinen zu den führenden Unternehmen auf ihrem Markt zählen. Der Maschinenbau, eine der Schlüsselbranchen in der Bundesrepublik, expandiert deshalb fast beständig, selbst in eher mäßigen Jahren wie dem vergangenen sind so 10 000 neue Arbeitsplätze entstanden. 2014 wird das Ende der Konjunktur- und Investitionsflaute in Deutschland und Europa kommen, erwartet der Branchenverband VDMA. Der Präsident, Reinhold Festge, hat deshalb eine besondere Marke im Blick: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir die Marke von einer Million Beschäftigten überschreiten“, sagte er am Dienstag in Frankfurt am Main.

Es sei mit einem Plus von 2000 bis 5000 Stellen zu rechnen, erklärte Festge weiter. Damit würde sich Ende Dezember 2014 ein Beschäftigtenstand von mindestens 990 000 Personen ergeben – vielleicht auch mehr, je nachdem, wie groß der Optimismus der Manager ist. „Der Schlüssel für das Wachstum des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus liegt in den etablierten Märkten, und hier vor allem in Europa.“ Die zuletzt schwache Nachfrage hat die Branche abgehakt. Jetzt sollen die Industrieländer wieder eine wichtige Rolle spielen – die Euro-Zone hat die Rezession überwunden, die Frühindikatoren stimmten optimistisch. Aufstrebende Märkte wie China oder Brasilien würden zwar weiter wachsen – doch dort gibt es teils massive strukturelle Probleme.

Wenn die deutschen Schlüsselbranchen – neben dem Maschinenbau die Autohersteller und die Chemiekonzerne – gut laufen, dann wächst auch bei den Konjunkturforschern die Zuversicht. Getragen von der starken Binnenwirtschaft dürfte das Bruttoinlandsprodukt im kommenden Jahr um 1,9 Prozent zulegen, erwartet das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung aus München. Das wäre fast fünf Mal so stark wie 2013. „Das ist das Geschenk vom Weihnachtsmann. Die Konjunkturaussichten für das nächste Jahr sind prächtig“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Unter den großen EU-Ländern habe Deutschland damit „wieder mal das stärkste Wirtschaftswachstum seit dem Ausbruch der Finanzkrise“.

Das Ifo-Institut hielt damit an seiner Prognose fest – andere Forschungsinstitute hatten ihre Erwartungen dagegen kürzlich etwas zurückgenommen. So taten es kürzlich zum Beispiel das RWI in Essen und das IWH in Halle. Die Bundesbank und die Bundesregierung dagegen rechnen mit 1,7 Prozent Plus, also fast so viel wie das Ifo. Nahezu alle Banken, Institute und Verbände, die eine Wirtschaftsprognose für das kommende Jahr wagen – das sind etwa 50 – stellen in diesen Tagen ihre überarbeiteten Ausblicke vor. Am Mittwoch meldet sich das DIW.

Viele setzen auf die Kräfte der Binnenwirtschaft. So dürfte der Bau weiter expandieren, die Investitionen dürften dank der niedrigen Zinsen anziehen, und die Verbraucher haben angesichts der rekordhohen Beschäftigung viel Geld zum Ausgeben. Die Quasi-Stagnation dieses Jahres, in dem die Wirtschaft nur um schätzungsweise ein halbes Prozent wächst, ist damit Geschichte. Für den Jobmarkt bedeutet das nach Berechnungen des Ifo-Instituts 230 000 zusätzliche Stellen – bei allerdings nur minimal zurückgehender Arbeitslosigkeit.

Der Optimismus der Ökonomen deckt sich mit der Zuversicht der Börsenprofis. Das hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in seiner neuen Umfrage herausgefunden. Das Barometer für die Konjunkturerwartungen in den kommenden sechs Monaten sprang im Dezember um 7,4 auf 62,0 Punkte, teilte das ZEW mit. Das ist der höchste Stand seit April 2006. „Die Finanzmarktexperten sehen dem Jahr 2014 mit Optimismus entgegen“, sagte ZEW-Präsident Clemens Fuest.

1 Kommentar

Neuester Kommentar