Wirtschaft : Der Bahnchef geht ins Risikofeld

MARGARITA CHIARI

Johannes Ludewig macht es seinen Gegnern leicht.Nahezu zeitgleich mit der Kanzlerwahl und dem Start der rot-grünen Regierung in Bonn verkündete der Bahnchef in Berlin, daß am Ausbau des Hochgeschwindigkeitsverkehrs in Deutschland und Europa kein Weg vorbei führt.So mancher Grünen-Politiker in Bonn wird es mit Genuß vernommen haben.Zum Thema Hochgeschwindigkeitsverkehr gibt es da auch ganz andere Vorstellungen.Dabei ist unbestritten, daß der ICE die Renaissance der Bahn ganz entscheidend beflügelte, die Behörde das "Arme-Leute"-Image damit abgeschüttelt hat, Bahnfahren auch chic geworden ist.Doch nach wie vor fehlt der Beweis, daß die Milliarden-Investitionen, die in den Ausbau der Strecken geflossen sind, auch optimal eingesetzt wurden.Die Bahn kann zwar erstmals seit Jahrzehnten auf steigende Passagierzahlen verweisen, die Zuwächse sind aber noch dünn, um die "Wirtschaftlichkeit" der schnellen Flitzer zu beweisen.

Sicher hat Ludewig recht, daß eine Beschleunigung der Verbindungen zwischen den Ballungszentren erfolgversprechend ist.Hier ist der "Zeitabstand" zu Auto und Flugzeug nicht mehr allzugroß.Doch das allein reicht nicht aus.Wenn die Bahn auf Dauer mehr Menschen für die Schiene begeistern will, muß sie auch an jene denken, die mehr wollen als nur die Direktverbindung zwischen zwei Ballungszentren.Mit den entsprechenden Anschlüssen für den Regionalverkehr aber hapert es nach wie vor, bei den dabei eingesetzten Fahrzeugen auch, wie die Pannen mit dem Neigetechnikzug zeigten.Hier hat die Bahn noch gewaltigen Nachholbedarf - und der wird teuer.Bei der Industrie läßt sich kaum mehr an der Kostenschraube drehen, will die Bahn nicht noch weitere Qualitätsmängel bei den Zügen riskieren.Den Kritikern des Bahnchefs öffnet sich ein weites Feld.

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