Wirtschaft : Der Banker-Tipp: Bei hochwertigen Technologietiteln nachlegen

Thomas Kurze

Die Hängepartie in der Entscheidung um die Nachfolge von US-Präsident Bill Clinton wird vielfach als einer der entscheidenden Faktoren für die fortgesetzte Schwäche der internationalen Aktienmärkte angesehen. Die Unregelmäßigkeiten bei der Stimmauszählung, die nun auch US-Bundesgerichte beschäftigen, werfen Fragen nach dem Fortbestand des dortigen Wahlsystems und der Effizienz des Verwaltungsapparates auf. Aber die Börsenschwäche nur mit der Erwartung einer womöglich politisch "schwachen" Nachfolgeregierung zu begründen greift zu kurz.

Weitaus relevanter erscheint mir die Entzauberung der amerikanischen Technologie-Unternehmen zu sein. Cisco Systems, Sun Microsystems, Oracle und Co haben in den vergangenen Jahren enorme Zuwachsraten bei Umsatz, Marktanteil und Gewinn erzielt und ihre Aktionäre mit positiven Überraschungen verwöhnt. Solange die US-Wirtschaft hohe Wachstumsraten zeigte, war die Welt für die Technologieunternehmen und deren Aktionäre in Ordnung. Nun jedoch scheinen die Wachstumsraten angesichts eines verlangsamten Wirtschaftswachstums und der erreichten Marktposition der Unternehmen kleiner zu werden. Das in einer hohen Bewertung bevorschusste Wachstum wird nun zum Problem, die Sichtweise der Analysten ändert sich.

Nicht mehr bedingungsloses Wachstum fasziniert, sondern Qualität und Solidität. So ist es auch verständlich, dass hoch renommierte Markenartikler wie Procter & Gamble und Philip Morris, aber auch Boeing kräftige Kursgewinne erzielen konnten.

Dasselbe Phänomen ist auch in Europa zu beobachten. Mit Aventis, Henkel, Ahold, Eon, RWE und anderen war im vergangenen halben Jahr deutlich mehr Geld zu verdienen als mit Technologie. Wer meinem wiederholten Rat zur Umschichtung in defensive Aktien im Frühsommer nach gekommen ist, war von den Erosionen bei Telekom, Medien und Hightech wenig betroffen.

Im langfristigen Vergleich zeigen qualitativ hochwertige Technologiewerte dennoch eine überdurchschnittlich gute Performance. Eines dieser Unternehmen ist die Dax-Aktie Epcos. Im Gegensatz zur Mutter Siemens und Schwester Infineon bewegt sich Epcos in einem Bereich, der auch in den nächsten Jahren hohe Wachstumsraten verspricht: man liefert Bauteile für die Schlüsselindustrie Mobilfunk. Die Bauteile finden sich nicht nur in Handys, sondern auch in anderen mobilen Geräten wieder. Angesichts dieser nahezu sicheren Wachstumsraten von mindestens 30 Prozent erscheint Epcos mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 20 per 2001 (auf Kursbasis 90 Euro) deutlich unterbewertet zu sein. Bauen Sie mit Epcos Ihren Technologieanteil langsam aus und achten Sie auch weiterhin auf Qualität!

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