Wirtschaft : Der Banker-Tipp: Der Markt nach dem Terror

Gert Schemmann

Die Terroranschläge in den USA haben weltweit tiefe Betroffenheit ausgelöst. Eine bis dato nicht bekannte Verwundbarkeit der industrialisierten Welt wurde offensichtlich. Mit der langsam zurückkehrenden Normalität im Alltagsgeschehen geht der Wunsch der zivilisierten Welt einher, dem Terrorismus Einhalt zu gebieten.

Am Montag dieser Woche ist sechs Tage nach den Anschlägen der Börsenhandel in den USA wiedereröffnet worden. Trotz eines zuvor verbreiteten Optimismus haben die Kurse zum Teil erheblich nachgegeben, doch sind sie eben nicht, wie befürchtet, ins Bodenlose gestürzt. Das mag daran liegen, dass die amerikanische Notenbank Fed mit einer Zinssenkung um 50 Basispunkte dem Markt unter die Arme gegriffen hat. Ferner haben viele Firmen in den USA angekündigt, ihre Aktienrückkaufprogramme auszuweiten. Im Zeichen der Solidarität und mit dem Versuch, die weltweite Konjunkturabschwächung in den Griff zu bekommen, haben auch andere Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, ihre Leitzinsen gesenkt. Diese Zinsmaßnahmen können allerdings nur als erster Versuch angesehen werden, die Märkte zu stabilisieren, denn zuweilen ist kein Ökonom in der Lage, die Auswirkungen der Terroranschläge und ihrer Folgen auf das weltwirtschaftliche Geschehen abzuschätzen.

Es ist zu befürchten, dass die erwarteten Vergeltungsschläge der USA zu weiteren Terroranschlägen oder sogar zu einem internationalen Konflikt führen. Im Zuge dessen könnte sich zumindest kurzfristig die weltweite Konjunkturschwäche verstärken, könnte an den Finanzmärkten eine "Flucht in Qualität", vermutlich in Renten oder geldmarktnahe Anlageformen, einsetzen. In diesen Tagen ist Besonnenheit gefragt, denn ein überhasteter Verkauf könnte für jeden einzelnen weitreichende Folgen haben, indem er Verluste realisiert und den Verkaufsdruck weiter anheizt. Die Erfahrung aus vergleichbaren globalen Geschehnissen, zum Beispiel dem Vietman-Krieg oder dem Golf-Krieg, haben gezeigt, dass die Finanzmärkte sich jeweils nach einem kurzen Intermezzo wieder gefangen haben und ihren Aufwärts-trend unbeirrt fortsetzten. Ähnliches bleibt auch in diesem Konflikt zu hoffen.

Ein Indiz dafür sind die massiven Zinssenkungen der Notenbanken, vor allem der Fed, seit Jahresbeginn. Die Theorie geht davon aus, dass sich zinspolitische Maßnahmen innerhalb von drei bis zwölf Monaten am Finanzmarkt auswirken. Geht man von zwölf Monaten aus, könnte zu Beginn des kommenden Jahres die Talsohle erreicht sein und der Finanzmarkt sich wieder freundlicher gestalten. Vor diesem Hintergrund ist es momentan nicht ratsam, bestehende Aktienbestände übergreifend zu veräußern, denn sonst könnte es sein, dass der "Zug ohne einen losfährt". Aktienneukäufe sind momentan sicherlich nur mit Vorsicht angebracht. Interessant erscheinen dabei Branchen, die nicht unmittelbar von der amerikanischen Konjunktur abhängig sind, zum Beispiel Versorgungsunternehmen oder Nahrungsmittelhersteller.

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