Wirtschaft : Der Beginn der Ära Pischetsrieder

Alfons Frese

Freie Fahrt für Bernd Pischetsrieder. Knapp fünf Monate bevor er Ferdinand Piëch an der VW-Spitze ablöst, hat der Aufsichtsrat die Leitplanken für die kommenden Jahre gesetzt. Die Ära Piëch ist damit so gut wie beendet, nach knapp zehn Jahren wechselt der sperrige Österreicher in den Aufsichtsrat und der frohsinnige Bayer Pischetsrieder übernimmt die Geschäfte. Wo das hinführt ist in den letzen Tagen klar geworden: Erstens sollen unter Pischetsrieder die einzelnen Konzernmarken mehr kooperieren und weniger konkurrieren; im Moment bieten zum Beispiel in der Golf-Klasse außer VW auch Audi, Seat und Skoda nahezu indentische Autos an. Damit diese "Kannibalisierung" der Marken beendet wird, organisiert Pischetsrieder den Riesenkonzern in zwei Pkw-Sparten, die künftig straffer als bislang aus Wolfsburg gesteuert werden. Zweitens wird Pischetsrieder die Kräfte des Konzerns stärker auf Nischenprodukte orientieren; Cabrios, Roadster, Vans und Vielzweckautos zum Beispiel für Familien gibt es kaum im Angebot. Das hängt auch damit zusammen, dass sich Piëch darauf konzentrierte, VW in der Ober- und Luxusklasse sowie auf dem Nutzfahrzeugmarkt zu positionieren. Auf diesem Feld kündigt sich ein dritter Strategiewechsel an. Pischetsrieder ist nicht sonderlich interessiert an Lkw; wenn VW mit Mercedes-Nutzfahrzeugen einigermaßen mithalten wollte, dann müssten noch viele Milliarden investiert werden. Dann doch lieber im klassischen Pkw-Geschäft bleiben und hier Mercedes angreifen. Also die Palette nach oben erweitern, denn die großen Autos bringen die großen Margen. Dieser schlichten Branchenweisheit ist Piëch gefolgt und an ihr zweifelt auch Pischetsrieder nicht. In drei Wochen eröffnet VW die gläserne Manufaktur in Dresden. Und wenn die dort gebaute Luxuslimousine den Elchtest übersteht, dann hat Pischetsrieder einen guten Start gehabt.

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