• Der beste Mann der IG Metall war der Arbeitgeberchef Martin Kannegiesser will keine geschwächte IG Metall

Wirtschaft : Der beste Mann der IG Metall war der Arbeitgeberchef Martin Kannegiesser will keine geschwächte IG Metall

Ursula Weidenfeld

Spätestens am vergangenen Montag ist Martin Kannegiesser klar geworden, dass die IG Metall Hilfe braucht. Seine Hilfe. Der Metallarbeitgeberchef eilte zu Hilfe. Ein Sondierungsgespräch mit Klaus Zwickel? Gern. Ein Abschluss, der der IG Metall die Blamage erspart hätte? Aber natürlich, wenn es irgendwie zu machen ist. Doch der Erfolg blieb dem freundlichen Unternehmer diesmal versagt. Der Industrie-Wäscherei-und-Bügelmaschinen-Hersteller Martin Kannegiesser hätte der IG Metall beim geordneten Rückzug geholfen. Er konnte sich als Sieger fühlen in diesem Arbeitskampf, es sollte nur niemand merken. Deshalb versuchte er der Gewerkschaft zu helfen. Nach dem Scheitern könnte den Arbeitgebern im nächsten Spätherbst die Rechnung präsentiert werden. Dann verhandelt der Westen wieder. Über Lohn und Gehalt. Und da sehen die Machtverhältnisse anders aus. Das weiß der westfälische Metall-Unternehmer.

Der 61-jährige Kannegiesser aus Vlotho führt die Metallarbeitgeber seit drei Jahren. Seitdem ist im Verband Frieden eingekehrt – obwohl die Interessen der einzelnen Unternehmen immer weiter auseinander driften. Kannegiesser, der eigentlich lieber Journalist geworden wäre, hat den Arbeitgeberverband wieder nach vorn verhandelt. Mit einer pragmatischen Strategie: Die Unternehmen, die vom Flächentarifvertrag profitieren, wenden ihn an. Die anderen wechseln in Arbeitgeberverbände ohne Tarifbindung – oder suchen Lösungen mit ihren Betriebsräten.

Kannegiesser verhandelt genauso, wie er spricht, sagen Tarifexperten bei Metall. Lange Sätze, die zuverlässig logisch enden – aber erst dann, wenn die Gesprächspartner den Faden schon verloren haben. Bizarre Satzformationen, die sich zu gewaltigen Cumulus-Wolken auftürmen; üppige Sprachgirlanden, die aus ihm herausquellen wie harmloses Spritzgebäck aus der Teigtülle – Kannegiesser macht es seinen Gegnern leicht, ihn zu unterschätzen. Doch während „die Unternehmer sich daranmachen, das Ufer der Rezession zu verlassen“, blinzelt der Unternehmer vergnügt durch seine Brille. Auch als die „Konjunktur sich im lauen Frühlingswind belebte, dann aber von hereinbrechenden Schneefällen erschreckt wird“, strahlt Kannegiesser listig. Dann aber verfinstert sich seine Miene. Traurig begleitet er seine Kollegen, wie „sie plötzlich in den Strudel des Eisbachs“ geraten. Erst wenn sie schließlich „das rettende Ufer nicht mehr erreichen“, hört für Kannegiesser der Spaß auf.

Kein Wunder, dass einer wie Klaus Zwickel lieber ihn als seinen Stellvertreter Jürgen Peters anruft und um Hilfe bittet, wenn es ernst wird. Nur dass das diesmal auch nicht geholfen hat.

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