Wirtschaft : Der Bildschirmtext ist nun Geschichte

Online-Banking-Kunden müssen sich umstellen

Oliver Vo

Berlin - Rund ein Drittel aller Deutschen erledigt regelmäßig seine Bankgeschäfte im Internet. Ein kleiner Teil hat dafür noch immer den Zugangskanal des alten Bildschirmtextes (BTX) genutzt, doch damit ist ab heute Schluss. Die Deutsche Telekom schaltet das System endgültig ab.

BTX war ein Vorläufer des Internet, von der Grafik ähnelte es dem Videotext. Mitte der neunziger Jahre war BTX in das Angebot von T-Online integriert und dann vor fünf Jahren abgeschaltet worden. Nur die Möglichkeit zum Online-Banking blieb teilweise bestehen.

„Viele Kunden hatten sich daran gewöhnt und haben daran gehangen“, sagt Kerstin Altendorf vom Bundesverband deutscher Banken. Bei der Deutschen Bank hatten zuletzt noch etwa 50 000 der 2,8 Millionen Online-Banking-Kunden das System genutzt. Doch diese wurden bereits in den letzten Monaten aufgefordert, ihre Systeme umzustellen. Es handelt sich dabei vor allem um Geschäftskunden, die mit speziellen Finanzprogrammen arbeiten. Auch bei der ING Diba nutzten bis Ende März noch 23 000 Kunden den BTX-Zugang.

„Immer mehr Rechenzentren der Banken haben das System nicht mehr unterstützt“, sagt Telekom-Sprecher Ralf Sauerzapf. Doch für die Kunden ändere sich letztlich nur der Übertragungsweg. Das Kappen der Leitungen ist somit vor allem ein symbolischer Akt. „Die letzten Relikte des BTX werden abgeschaltet“, sagt Eric Danke. Der 67-Jährige ist der Vater des Bildschirmtextes. Danke hatte die Entwicklung des BTX für die Bundespost geleitet, später wurde er Vorstand für den Bereich Technik bei T-Online.

BTX startete 1983. Man konnte damit über den Fernseher oder spezielle BTX-Terminals Nachrichten abrufen, Bestellungen bei Versandhäusern tätigen oder eben seine Bankgeschäfte erledigen. „BTX bot zum ersten Mal Elektronik-Banking für den Massenmarkt“, sagt Danke. Vorreiter war die Hamburger Verbraucherbank, die später von der Norisbank übernommen wurde. Die Verbraucherbank hatte für BTX auch das bis heute genutzte System der PIN- und TAN-Nummern erfunden. Die großen Banken folgten schnell. „In dem Bereich Online-Banking waren wir führend“, sagt Danke. Es habe in Deutschland bereits eine Million Konten gegeben, als es in den USA erst etwa 10 000 waren.

Trotzdem erfüllten sich die Erwartungen an den Bildschirmtext nicht. Man hatte mit einer Million „Telelesern“ in den ersten drei Jahren gerechnet, doch diese Zahl wurde erst 1996 erreicht, nachdem BTX mit T-Online kombiniert worden war. Oliver Voß

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