Wirtschaft : Der Countdown läuft

Bis heute Mittag darf man Interesse bekunden. Damit beginnt das Bieterverfahren für die Landesbank Berlin

D. Rhée-Piening,M. Döbler

Berlin – Wer das Rennen macht, ist völlig offen. „Ich tippe auf einen Käufer aus den USA“, sagt ein Banker, dessen Haus nicht für die Landesbank Berlin (LBB) mitbietet. Die Amerikaner hätten das nötige Geld und ließen sich die Gelegenheit, in der deutschen Hauptstadt einzusteigen, nicht entgehen, meint der Branchenkenner. Vielleicht kommt ja dann die Europazentrale an die Spree.

Bis klar ist, ob es so oder ganz anders kommt, werden Monate vergehen. Aber der erste Schritt wird am heutigen Montag gemacht, wenn bis 12.00 Uhr erste Interessenbekundungen abgegeben werden müssen. Zum Verkauf steht ein verlockendes Objekt: im Wesentlichen die Berliner Sparkasse, mit 41 Prozent Marktanteil und rund zwei Millionen Kundenkonten der Marktführer in der Hauptstadt.

Das Land Berlin muss die LBB verkaufen, weil es die damalige Bankgesellschaft vor rund sechs Jahren nur mit Milliardenhilfen vor dem Zusammenbruch retten konnte. Die EU-Kommission verlangte für die Genehmigung dieser Beihilfen die Zerschlagung und den diskriminierungsfreien Verkauf. Bieten darf demnach jeder, und die Liste der Interessenten ist lang. Neben dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) und öffentlich-rechtlichen Landesbanken – der Landesbank Baden-Württemberg und der HSH Nordbank – haben sich auch Privatbanken (Commerzbank, Postbank, HVB), internationale Großbanken und Private Equity Fonds gemeldet. Bislang soll es 20 bis 30 Interessenten geben, heißt es aus Bankenkreisen.

Als sicher gilt aber auch, dass eine Reihe der Interessenten abspringen wird. Denn bei diesem ersten Schritt ist das meiste noch unverbindlich – es muss nur Interesse bekundet werden. „Das jetzt zu machen, kostet nicht viel“, sagt ein Banker eines Instituts, das sein Interesse signalisiert hat. Vor allem bei den öffentlich-rechtlichen Häusern werde das Verfahren noch „sehr lebhaft“, da viele nicht in der Lage seien, ein eigenes Angebot durchzuziehen. Das Gedrängel aus dem öffentlich-rechtlichen Sektor müsse nicht zu dessen Lasten gehen. „Für die privaten Bieter ist die Situation undurchsichtiger geworden. Mit dem DSGV allein wäre es einfacher gewesen.“

Die Investmentbank UBS, die das Verfahren managt, wählt innerhalb weniger Tage diejenigen Bewerber aus, die die nötige Finanzkraft und Erfahrung im Bankgeschäft mitbringen, und schickt ihnen weitere Informationen. Erst in der zweiten Märzhälfte müssen die Bewerber konkrete Angebote abgeben. Nach Zugang in die Datenräume der LBB sollen dann im Juni verbindliche Angebote vorgelegt werden. Zudem behält sich Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) vor, das Verfahren jederzeit abzubrechen und die LBB an die Börse zu bringen.

Einen guten Erlös erwartet Berlin auf jeden Fall. Aktuell wird die LBB an der Börse mit insgesamt deutlich mehr als sieben Milliarden Euro bewertet. Das Land hält 81 Prozent. Weitere rund zehn Prozent hat bereits der DSGV, und der Rest befindet sich im Streubesitz. Mindestens sechs Milliarden Euro wird das Land erlösen können, schätzen Insider. Doch Sarrazin darf es nicht allein ums Geld gehen. Der Verkauf hat auch wirtschaftspolitische Bedeutung für Berlin. So will sich der Senator von einem eventuellen Käufer weitreichende Zusagen geben lassen. Sarrazin ist vor allem an einem eigenständigen Management vor Ort und möglicherweise auch an Arbeitsplatz- und Beschäftigungsgarantien interessiert.

Und auch für den Bankenstandort Deutschland hat der Verkauf Bedeutung. Der DSGV will beim Verkauf unbedingt zum Zuge kommen und so den Verkauf der öffentlich-rechtlichen Landesbank an ein privates Institut verhindern. Das wäre der Anfang vom Ende des Drei-Säulen-Modells, der Aufteilung des deutschen Marktes in Sparkassen, Genossenschaftsbanken und private Banken, befürchtet man beim DSGV.

Doch der Verband hat ein Problem: Das öffentlich-rechtliche Lager macht sich derzeit selbst Konkurrenz. Neben dem DSGV melden sich immer mehr Landesbanken zu Wort, die auf eigene Rechnung bieten wollen. Die Bayerische Landesbank hat eine Interessenbekundung abgegeben, Gleiches ist von der HSH Nordbank zu hören. Schwerwiegender ist aber die Stimme der WestLB, auch wenn Insider davon ausgehen, dass die Düsseldorfer nicht zum Zuge kommen werden. „Woher wollen die das Geld haben?“ fragt ein Konkurrent provokativ.

Großes zugetraut wird der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die immerhin schon die Landesbank von Rheinland-Pfalz erfolgreich übernommen hat und über ausreichende finanzielle Mittel verfügt. Denkbar ist aber, dass sich die Landesbanken im Laufe des Wettbewerbs wieder zurückziehen und dem DSGV doch das Feld überlassen. Doch bei der LBBW sagt man ganz klar: „Wir sind kein Platzhalter für den DSGV, das ist Unsinn.“

Ob es den Sparkassen gelingt, die privaten Institute aus dem Feld zu schlagen? Die Postbank habe noch die Übernahme der BHW zu verkraften und sei in der Hauptstadt bereits ausgesprochen stark, heißt es aus diesem Institut. Die Commerzbank werde nur schwer mehr als fünf Milliarden Euro bieten können, sagt die Konkurrenz. Und auch bei der Hypo-Vereinsbank bestehen Bedenken. Die Münchner erlebten nach ihrer Übernahme durch die Unicredito selbst noch große Reibungsverluste, heißt es.

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